Besser Radfahren – Wie fahrradfreundlich ist Deutschland?

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02.07.202213:00 Uhr Planet Wissen: Besser Radfahren – Wie fahrradfreundlich ist Deutschland? Moderation: Birgit Klaus und Dennis Wilms | ARD alpha

Schneller als bisher steigt die Zahl der Radfahrer. Seit Beginn der Corona-Pandemie werden mehr Räder gekauft oder Leihräder gemietet. Jedoch radeln die Deutschen nach wie vor mit Hindernissen: In der Stadt enden Radwege im Nirgendwo oder führen am dichten Straßenverkehr entlang. Und auf dem Land haben nur wenige Straßen überhaupt einen Fahrradweg. Zu Gast:

    Prof. Dr. Jochen Eckart (Professur Verkehrsökologie an der Hochschule Karlsruhe) Thomas Reuther (SWR-Redakteur, Initiator der Mitmachaktion #besserRadfahren) Prof. Dr. Angela Francke (Professorin für Radverkehr an der Hochschule Karlsruhe und Verkehrspsychologin)

Schneller als bisher steigt die Zahl der Radfahrer. Seit Beginn der Corona-Pandemie werden mehr Räder gekauft oder Leihräder gemietet. Jedoch radeln die Deutschen nach wie vor mit Hindernissen: In der Stadt enden Radwege im Nirgendwo oder führen am dichten Straßenverkehr entlang. Und auf dem Land haben nur wenige Straßen überhaupt einen Fahrradweg. Zu Gast:

    Prof. Dr. Jochen Eckart (Professur Verkehrsökologie an der Hochschule Karlsruhe) Thomas Reuther (SWR-Redakteur, Initiator der Mitmachaktion #besserRadfahren) Prof. Dr. Angela Francke (Professorin für Radverkehr an der Hochschule Karlsruhe und Verkehrspsychologin)

Schneller als bisher steigt die Zahl der Radfahrer. Seit Beginn der Coronapandemie werden mehr Räder gekauft oder Leihräder gemietet. Jedoch radeln die Deutschen nach wie vor mit Hindernissen: In der Stadt enden Radwege im Nirgendwo oder führen haarscharf am dichten Straßenverkehr entlang. Und auf dem Land haben nur wenige Straßen überhaupt einen Fahrradweg. Hinzu kommt das, was Fahrradfahrer oft in den sozialen Medien berichten: Sie werden geschnitten, bedrängt und beschimpft. Kein Wunder also, dass sich viele Zuschauer und Hörer im Frühjahr 2021 an der SWR-Mitmachaktion #besserRadfahren beteiligten. Wie geht’s jetzt weiter auf dem Weg zur Fahrradnation Deutschland? Was muss sich in den Köpfen der Verkehrsteilnehmer ändern – und wie gut können neue Mobilitätskonzepte und der Ausbau von Radwegen die Situation entschärfen?

Seit etwa zehn Jahren werden jedes Jahr mehr Räder gekauft oder Leihräder gemietet. Jedoch radeln die Deutschen nach wie vor mit Hindernissen: In der Stadt enden Radwege im Nirgendwo oder führen haarscharf am dichten Straßenverkehr entlang und auf dem Land haben nur wenige Straßen überhaupt einen Fahrradweg. Hinzu kommt das, was Fahrradfahrer in den sozialen Medien berichten: Sie werden geschnitten, bedrängt und beschimpft. Kein Wunder also, dass sich viele Zuschauer und Hörer im Frühjahr 2021 an der SWR-Mitmachaktion #besserRadfahren beteiligten.

Sendung 27.06.2022 | SWR | Besser Radfahren – Wie fahrradfreundlich ist Deutschland?

Seit etwa zehn Jahren werden jedes Jahr mehr Räder gekauft oder Leihräder gemietet. Jedoch radeln die Deutschen nach wie vor mit Hindernissen: In der Stadt enden Radwege im Nirgendwo oder führen haarscharf am dichten Straßenverkehr entlang und auf dem Land haben nur wenige Straßen überhaupt einen Fahrradweg. Hinzu kommt das, was Fahrradfahrer in den sozialen Medien berichten: Sie werden geschnitten, bedrängt und beschimpft. Kein Wunder also, dass sich viele Zuschauer und Hörer im Frühjahr 2021 an der SWR-Mitmachaktion #besserRadfahren beteiligten. |

Zu Gast: Angela Francke

Seit März 2021 ist Angela Francke an der Karlsruher Hochschule für Technik und Wirtschaft die erste Professorin für Radverkehr. |

Zu Gast: Thomas Reutter

Der Journalist Thomas Reutter ist seit Mitte der 90erJahre als Reporter und später als – mehrfach ausgezeichneter – Filmemacher unterwegs. |

Geschichte des Fahrrads

Vom wackligen Gefährt zum perfekt ausgetüftelten Verkehrsmittel: Anfangs wurde das Fahrrad noch skeptisch beäugt, heute hat es mehr Fans als das Auto. |

Elektrofahrräder

Fahrräder mit Elektroantrieb sind gefragt. Sie unterstützen Radfahrer auf langen Wegen und bei steilen Anstiegen mit einem Motor. |

Deutsche kaufen mehr E-Bikes als Dieselautos.

Nicht erst seit der Corona-Krise lieben wir Deutsche das Fahrrad, schon vorher gab es unfassbar viele Bikes auf unseren Straßen. Genauer gesagt 79,1 Millionen. Allein im Jahr 2020 kamen 5,04 Millionen Räder dazu – 40 % davon waren E-Bikes, wie eine Studie des Zweirad Industrie Verband (ZIV) bestätigt. Tendenz: stark steigend. Besonders spannend: Erstmals wurden im Jahr 2020 mehr Elektrofahrräder als Dieselautos verkauft. Wenn das kein Grund zur Freude ist!

Spannend: Autofahren kostet, Fahrradfahren spart Geld.

Prof. Stefan Gössling von der Lund University Kopenhagen und Andy S. Choi von der University of Queensland, Australien haben eine Studie vorgestellt, wonach jeder gefahrene Kilometer mit dem Auto Kosten in Höhe von 20 Cent für die Gesellschaft verursacht, während Radfahren auf gleicher Strecke rund 30 Cent spart. Grund für die signifikante Differenz sind Faktoren wie Lärm – und Luft-Verschmutzung, Straßenabnutzung sowie Gesundsheitseffekte (Stress, Unfälle etc.), welche nicht von Steuern und Abgaben gedeckt sind. Für den eigenen Geldbeutel sind die Ersparnisse sogar noch gravierender. Radfahren und damit Gutes tun – es ist so einfach.

Die Fahrradindustrie ist ein echter Jobmotor in Deutschland.

Bei jeder gesellschaftlichen Debatte rund ums Auto kommt schnell das Argument, die Autoindustrie sei wichtiger Jobmotor und Wirtschaftsfaktor – und das stimmt natürlich. Allerdings trifft das auch auf die Fahrradindustrie zu: Wie eine aktuelle Studie zeigt, sind 281.000 Beschäftigte in der Fahrradbranche tätig. Der Wirtschaftszweig setzt pro Jahr 37,7 Milliarden Euro rund ums Thema Fahrrad um. Dazu gehören Fahrräder, Komponenten, Taschen, Kleidung, aber auch die Einnahmen touristischer Betriebe durch Radurlauber. Beeindruckende Zahlen, welche die Relevanz des Rades als Wirtschaftsfaktor deutlich unterstreichen. Die Studie wurde vom Wuppertal Institut für Arbeit und Technik der Westfälischen Hochschule im Auftrag vom Bundesverband Zukunft Fahrrad (BVZF), Verbund Service und Fahrrad (VSF) und dem Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) in einem Zeitraum von 2013–2018 durchgeführt. Für das Jahr 2020 sind die Zahlen dank des enormen Booms garantiert noch beeindruckender!

Wir lieben Ordnung. Das sieht man auch bei den Radwegen. Aber dann auch wieder nicht.

Ordnung muss sein, vor allem bei uns in Deutschland. Die Ordnungswut, sie macht auch nicht vor dem Radweg halt – oder besser: der Vielzahl an Arten von Radwegen. Denn natürlich gibt es in Deutschland nicht einfach nur den einen Radweg. Es gibt: Radfahrstreifen, Schutzstreifen, Seitenstreifen, die Fahrradstraße, Radschnellwege und freigegebene Gehwege. Je nach Radweg gelten für den Nutzer unterschiedliche Rechten und Pflichten. Typisch Deutsch eben. Das Dilemma: Sie alle hier voll umfänglich vorzustellen, würde den Rahmen sprengen. Natürlich macht es im Grunde auch Sinn. Unterschiedliche Fahrsituationen brauchen unterschiedliche Standards. Nur das mit den Standards hat sich leider noch nicht durchgesetzt, da die jedes Bundesland einzeln definiert. Das ist in vielen deutschen Nachbarländern anders. Ein Radschnellweg sieht z. B. in den Niederlanden immer gleich aus.

Radwegebenutzungspflicht – ein typisches deutsches Wort mit deutschen Regeln.

Ja, wir lieben zusammengesetzte Substantive. Ein klassisches Beispiel ist die Radwegebenutzungspflicht. Dahinter verbirgt sich die Regelung, wann Radwege genutzt werden müssen. In der StVO steht dazu: Radwege immer dann genutzt werden, „wenn die jeweilige Fahrtrichtung mit Zeichen 237, 240 oder 241 gekennzeichnet ist. Andere rechte Radwege sie benutzen. Sie dürfen ferner rechte Seitenstreifen benutzen, wenn keine Radwege vorhanden sind und Fußgänger nicht behindert werden.“ Vereinfacht gesagt: Gibt es ein rundes blaues Schild mit einem Fahrrad darauf, muss der Weg benutzt werden. Natürlich gibt es dann auch wieder Ausnahmen. Radfahrer dürfen nicht dazu gezwungen werden, sich selbst in Gefahr zu bringen, indem sie die Benutzungspflicht einhalten. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn im Winter die Radwege nicht vernünftig geräumt werden.

Der teuerste Radweg Deutschlands…

… entsteht in Hessen, zwischen den Orten Lorchhausen und Rüdesheim. Spatenstich war bereits im Jahr 2006; fertiggestellt werden soll der Weg im Jahr 2023. Er verläuft zum Teil auf einer Art Balkon über dem Rhein. Kosten für die 11,3 km lange Strecke am Ende: Vermutlich 115 Millionen Euro. Klingt unfassbar teuer und das ist es auch, denn geplant waren einmal 39 Millionen. Natürlich gab es die üblichen Kostenfallen (Blindgänger, Denkmalschutz, Hochwasserschutz). Wir wollen allerdings auch ehrlich sein: der Radweg war der Anlass für die Bauarbeiten, aber die kosten beinhalten auch die Verbreiterung der anliegenden Bundesstraße. Zum Vergleich: Allein ein einziger Kilometer des neuen Freiburger Stadt-Tunnels kostet rund 163 Millionen Euro. In der Regel kostet ein Kilometer Autobahn zwischen sechs und 20 Millionen Euro. Ein gewöhnlicher Kilometer Radweg dagegen liegt bei etwa 100.000 bis 200.000 Euro.

Unsere Radwege sind leider oft noch unsicher

Traurig, aber wahr, das ist das Ergebnis unzähliger Studien. Selbst der Automobilclub ADAC hat in einer Untersuchung in zehn Landeshauptstädten festgestellt, dass jeder dritte Radweg in deutschen Städten zu schmal ist. Die Stadt München empfiehlt seinen Bürger häufig sogar, besser die Straße als den Radweg zu nutzen. Der Grund: auf dem Radweg werden Fahrradfahrer später erkannt und das Unfallrisiko steigt. Positiv hat sich entwickelt, dass in der ersten Phase der Corona-Pandemie schnell und unbürokratisch reagiert wurde, als in vielen deutschen Städten Pop-Up-Radwege entstanden sind. Jetzt gilt es, dass diese auch fest etabliert werden.

Es gibt Hoffnung – immer mehr Geld für die Rad-Infrastruktur

Erst kürzlich gab der Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer bekannt: „Wir wollen Deutschland zum Fahrradland machen!“ Dass das nicht über Nacht funktioniert, ist klar. Was dabei aber sicher hilft, sind die 1,46 Milliarden Euro, die mit dem „Radverkehrsplan 3.0“, bis 2023 fließen sollen. Ziel ist es, den Radverkehr im Land zu verdoppeln. Das bedeutet, dass wir Deutschen bis 2030 schon 240 Millionen Kilometer mit dem Rad auf sicheren Wegen zurücklegen – und zwar am Tag. Dafür ist auch geplant, die Raumverteilung neu zu denken und Flächen, die aktuell vom Autoverkehr genutzt werden, umzuwandeln. Wie schnell diese Transformation jedoch geschieht, hängt stark von den Städten und Kommunen ab. Sie müssen die Maßnahmen planen, beauftragen und Anträge stellen. In einer Studie in München wurden die im letzten Jahre errichteten Pop-Up Radwege ausgewertet, um daraus weitere Planungsmaßnahmen abzuleiten. Dabei wurde aufgrund des geringen Feedbacks aus der Bevölkerung die Maßnahme zum Teil in Frage gestellt.

Es liegt also auch an uns, auf lokaler Ebene mehr Infrastruktur für den Radverkehr einzufordern und die Mobilität der Zukunft zu gestalten – lasst es uns angehen. Oder besser: erfahren!

Fahrradfreundliche Städte Mit Rad und Tat

Natürlich kommt Berthold Bültgerds mit seinem Fahrrad vorgefahren. Der Bürgermeister von Wettringen ist stolz: „Wir haben hier das Fahrrad schon genutzt, bevor man über Mobilitätswende überhaupt gesprochen hat“, sagt er und schiebt sein Rad durch die Kleinstadt im Münsterland – schwarze Daunenjacke, schwarze Sneaker, schwarzer Alurahmen.

Ihn grüßen fast alle Radfahrer, die ihm an diesem Vormittag in der Gemeinde begegnen. Und das sind eine Menge. „Mit einem gezielten Radwegenetzplan verbinden wir Wohnbereiche mit dem Schul – und Sportzentrum. Wir haben eigene Radwegebrücken über den Fluss gebaut und ermöglichen mit einer breiten Fahrradstraße die durchgehende Verbindung zu allen Nachbarkommunen.“

In Summe wurden seit 2019 bis heute über vier Millionen Euro in mehrere Projekte investiert, rechnet Bültgerds vor. Unter Verwendung verschiedener Förderzugänge hat die kleine Gemeinde mit 8300 Einwohnern also erhebliche Mittel in Radverkehrsprojekte gesteckt.

Spezielle Beleuchtungssysteme

Auf breiten Radwegen fühlen sich die Menschen in Wettringen sicher: Adaptive Beleuchtungssysteme erhöhen die Helligkeit, sobald Radfahrer auf der Verkehrsfläche wahrgenommen werden. An Knotenpunkten hat das Rad immer Vorrang. „Wir denken in der Verwaltung bei neuen Quartieren immer das Rad mit und planen gerade eine Fahrradstraße, um einen Siedlungsbereich direkt und sicher an den Ortskern anzubinden“, sagt der Bürgermeister, während er in die Pedale tritt.

Die roten Klinkerfassaden von Wettringen ziehen an ihm vorbei. Die Stadt hat bundesweit die beste Note von 2,0 beim ADFC-Fahrradklima-Test erzielt. 245.000 Menschen – so viele wie noch nie zuvor – stimmten bei der Umfrage zur Zufriedenheit von Radfahrerinnen und Radfahrern ab. In der Kategorie Städte über 500.000 Einwohnern gewinnt Bremen (Note 3,6) knapp vor Frankfurt am Main (3,6), das sich kontinuierlich verbessert und Hannover (3,6) auf Platz 3 verdrängt.

Münster vor Karlsruhe

Bei Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern holt Münster (Note 3,0) nach Jahren wieder den ersten Platz, Karlsruhe (3,1) und Freiburg im Breisgau (3,1) liegen dicht dahinter. In der Kategorie Aufholer werden die Städte ausgezeichnet, bei denen sich im Vergleich zum vergangenen ADFC-Fahrradklima-Test am meisten getan hat. Die stärksten Aufholer sind Köln (von 4,4 auf 4,2), Bonn (von 4,2 auf 3,8) und Koblenz (von 4,7 auf 4,3).

„Der ADFC-Fahrradklima-Test ist ein echtes Stimmungsbarometer“, sagt die ADFC-Bundesvorsitzende Rebecca Peters. „Er zeigt den Kommunen im Detail, wie ihre Maßnahmen bei den Menschen ankommen, wo sie bereits gute Arbeit geleistet haben und wo noch Nachbesserungsbedarf besteht.“ Leider sei für eine attraktive Rad-Infrastruktur in Deutschland noch viel zu tun.

Zu schmale Radwege, zu viele Falschparker

„Radfahrende wünschen sich bessere und breitere Radwege, weniger Konflikte mit Autofahrenden, weniger Falschparker auf Radwegen und sichere Baustellenumleitungen“, sagt Peters. Einige Großstädte hätten bereits investiert und konnten sich verbessern.

Auf dem Land hingegen tut sich nach Einschätzung des ADFC nicht viel, obwohl es auch hier großes Potenzial und viele Möglichkeiten zur Förderung des Radverkehrs gebe. Das bundesweite Schlusslicht liegt auch in Nordrhein-Westfalen: Lüdenscheid wird mit 5,15 bewertet. Seit die Autobahn 45 dort gesperrt ist, erstickt die Stadt im Stau. Für Radfahrer sei der Verkehr laut ADFC teils lebensgefährlich.

Förderangebote nutzen

Bundesverkehrsminister Volker Wissing will es den Menschen leicht machen, sich für den Radverkehr zu entscheiden. „Deshalb unterstützen wir die zuständigen Länder und Kommunen dabei, die Radverkehrsinfrastruktur vor Ort einladend, komfortabel und sicher auszubauen. „Wir haben in dieser Legislaturperiode Finanzierungs – und Planungssicherheit für die Kommunen geschaffen“, sagt der FDP-Politiker bei der Preisverleihung zum ADFC-Fahrradklima-Test. Er gratuliere den Gewinner-Städten und appellierte an alle, Förderangebote zu nutzen und in den Radverkehr zu investieren.

Das macht die Gemeinde Wettringen im Münsterland schon lange und profitiert davon, sagt Bürgermeister Bültgerds. Er versucht, die Einwohner immer mit einzubeziehen: „Rat, Verwaltung und Bürgerschaft müssen den Weg gemeinsam gehen. Solche Ergebnisse sind nur als Team möglich.“

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. April 2023 um 17:00 Uhr.

Wie fahrradfreundlich ist Deutschland

In Deutschland gibt es derzeit viele Bemühungen, den Radverkehr zu stärken. Welche Städte dienen zum Vorbild? Ein Blick auf Beispiele in Europa und den USA.

Gut für die Gesundheit, gut für das Klima und vergleichsweise preisgünstig: Dass Fahrradfahren gleich mehrere Vorteile hat, steht außer Frage. Häufig wird in Deutschland jedoch bemängelt, dass der Verkehr nicht ausreichend auf Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer abgestimmt ist. Erst kürzlich kritisierte die Pressesprecherin des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), Stephanie Krone, die Radinfrastruktur in Deutschland als „irgendwo zwischen gerade noch akzeptabel, gruselig und unzumutbar“. Doch was macht eigentliche eine fahrradfreundliche Stadt aus? Das zeigen sieben Beispiele aus Orten, die als Vorreiter beim Fahrradfahren gelten.

Fahrradschnellstraßen in Kopenhagen

Die dänische Hauptstadt erhält immer wieder Auszeichnungen für ihre Fahrradfreundlichkeit. So landet die Stadt beim Copenhagenize Index, einem Ranking für Fahrradfreundlichkeit, seit Jahren auf dem ersten Platz. Wie in allen anderen Fahrradstädten auch ist es das Zusammenspiel verschiedenster Maßnahmen, die zu diesen Auszeichnungen führen.

Die Fahrradbrücke Cykelslangen über das Hafengebiet in Kopenhagen verkürzt die Wege für Radler und Radlerinnen.

Für Kopenhagen werden häufig die „Radautobahnen“, auf dänisch Supercykelstier, hervorgehoben. Das sind Fahrradschnellstraßen, die das Stadtzentrum mit dem Umland vernetzen. Brücken, wie die sogenannte „Cykelslangen“ im Hafen, verkürzen die Wege für Radfahrerinnen und Radfahrer. Für das schnelle Vorankommen auf den gut ausgebauten Radwegen sorgt auch eine angepasste Ampelschaltung. Die Wege sind häufig besonders breit, gut beschildert und beleuchtet. Auch gibt es am Wegesrand Reparaturstationen.

Fahrradverleihsystem in Paris

Das Fahrradverleihsystem Vélib in Paris gilt als eines der größten der Welt. Das Angebot umfasst den Angaben des Anbieters zufolge 20.000 Räder, wovon 40 Prozent elektrisch betrieben sind. Die Räder stehen an 1400 Stationen, die sich über das Stadtgebiet verteilen. Das entspreche, so heißt es auf der Seite velib-metropole. fr, einer Station alle 300 Meter. Wer die Räder nutzen möchte, kann sich kostenlos registrieren und zahlt für 30 Minuten mit dem herkömmlichen Rad einen Euro. Bei einer Grundgebühr von 3,10 Euro pro Monat sind bereits die ersten 30 Minuten kostenlos, bei einer Grundgebühr von 8,30 Euro sogar die ersten 60 Minuten.

Riesiges Fahrradparkhaus in Utrecht

Nicht nur zum Fahren brauchen Radler Platz. In vielen Städten mangelt es auch an geeigneten Abstellmöglichkeiten. 2019 hat die Stadt Utrecht das nach eigenen Angaben größte Fahrradparkhaus der Welt eröffnet. Aktuell umfasst das „Stationsplein“ der Gemeinde Utrecht zufolge 12.500 Stellplätze. Eine Besonderheit im Vergleich zu vielen Fahrradparkhäusern in deutschen Städten: Die ersten 24 Stunden sind kostenlos. Außerdem ist das Parkhaus rund um die Uhr geöffnet. Die Stadt Utrecht wirbt zudem damit, dass das Fahren innerhalb der Station auf Einbahnstraßen erlaubt ist.

Das Fahrradparkhaus in Utrecht umfasst mehr als 12.500 Stellplätze und ist direkt am Bahnhof gelegen.

Gemeinsame Radtouren durch Portland

Portland gilt als eines der Fahrradparadiese in den USA. In der Stadt ist Fahrradfahren Kult, Gemeinschaftsaktionen schweißen die Radfahrerinnen und Radfahrer zusammen. Regelmäßig werden gemeinsame Radtouren angeboten, wie etwa der „Midnight Mystery Ride“. Im Februar begeht die Stadt jährlich den „Worst Day of the Year Ride“ – eine Radtour bei schlechtem Wetter, für die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich verkleiden.

Regensensoren an Ampeln in Groningen

Schon vor zehn Jahren hat die Stadt Groningen (Niederlande) Regensensoren an ihren Ampeln installiert. Die Sensoren sorgen dafür, dass Radfahrerinnen und Radfahrer bei schlechtem Wetter zusätzliche Grünphasen an Ampeln erhalten und dadurch schneller vorankommen. Damit reduziert sich die Zeit, die Radler bei dem schlechten Wetter verweilen müssen. 2015 installierte auch Rotterdam Regensensoren an den Ampeln.

Auch in deutschen Städten hat es inzwischen Bemühungen um solch ein Ampelsystem gegeben. So forderte die SPD im Hamburger Bezirk Eimsbüttel im Jahr 2020 die Installation solcher Sensoren. Die zuständige Verkehrsbehörde zeigte sich jedoch „sehr skeptisch“ gegenüber dieser Methode, wie aus Sitzungsprotokollen hervorgeht. Das Argument: Durch schlechtes Wetter erhöhe sich die Anzahl von Autos im Vergleich zu Fahrrädern – was die Verkehrssituation verschärfe und einen „unerwünschten Zielkonflikt“ hervorrufe.

Kaum Autoverkehr im Zentrum von Oslo

Im Jahr 2015 setzte die Stadt Oslo eine Verkehrswende in Gang. Ziel war es, den Autoverkehr aus der Innenstadt zu verdrängen. Dafür schaffte die Stadt 2017 und 2018 insgesamt mehr als 700 Parkplätze ab. Wo vorher Autos den Platz einnahmen, ist jetzt Raum für Fahrradfahrer und Fußgänger. Ursprünglich sollten Autos sogar ganz aus der Innenstadt verbannt werden. Doch aufgrund des starken Gegenwinds lokaler Unternehmen entschied man sich schließlich dazu, das Verbot nur fürs Parken, nicht aber fürs Fahren auszusprechen.

Schwebender Kreisverkehr in Eindhoven

Was nützen gut ausgebaute Radwege, wenn eine Ampel nach der nächsten die Fahrt wieder ausbremst? In den Niederlanden müssen Radler an einer Kreuzung in Eindhoven nicht mehr warten. Der sogenannte Hovenring, ein an Seilen aufgehängter Kreisverkehr, trennt den Radverkehr vom Autoverkehr. Das Bauwerk wurde 2012 eröffnet. Dem verantwortlichen Ingenieursbüro Ipv Delft zufolge beliefen sich die Kosten auf 6,3 Millionen Euro.

Planet Wissen

Schneller als bisher steigt die Zahl der Radfahrer*innen in Deutschland. Seit Beginn der Corona-Pandemie werden mehr Räder gekauft oder Leihräder gemietet. Jedoch radeln die Deutschen nach wie vor mit Hindernissen: In der Stadt enden Radwege im Nirgendwo oder führen haarscharf am dichten Straßenverkehr entlang. Auf dem Land haben nur wenige Straßen einen Fahrradweg. Hinzu kommt, was Fahrradfahrer*innen – oft in den sozialen Medien – berichten: Sie werden geschnitten, bedrängt und beschimpft. Kein Wunder also, dass sich viele Zuschauer*innen und Hörer*innen im Frühjahr 2021 an der SWR Mitmachaktion #besserRadfahren beteiligten. Wie geht’s jetzt weiter auf dem Weg zu einer Fahrrad-Nation Deutschland? Was muss sich in den Köpfen der Verkehrsteilnehmer*innen ändern – und wie gut können neue Mobilitätskonzepte und der Ausbau von Radwegen die Situation entschärfen? Zu Gast im Studio: Prof. Dr. Jochen Eckart (Professur Verkehrsökologie an der Hochschule Karlsruhe), Thomas Reuther (SWR Redakteur, Initiator der Mitmachaktion #besserRadfahren) und Prof. Dr. Angela Francke (Professorin für Radverkehr an der Hochschule Karlsruhe und Verkehrspsychologin. (Text: SWR)

Wie fahrradfreundlich ist Deutschland

Im Fahrradklimatest 2022 zeigt sich Bayern von keiner guten Seite. Zwei oberfränkische Städte bilden das Schlusslicht in ihrer Größenklasse. Eine fränkische Stadt aber erhält den Titel „Spitzenreiter“.

Laut der ADFC-Umfrage fühlen sich Radler*innen vor allem in zwei oberfränkischen Städten nicht sonderlich wohl. Foto: Isabel Schaffner/inFranken. de; wagrati_photo/pixabay. com (Symbolbild); Collage: inFranken. de

    ADFC-Fahrradklimatest 2022 zeigt Ranking für Radlerfreundlichkeit Sicherheitsgefühl und RadmitnahmeIm ÖPNV unter den Kriterien Fränkische Städte Erlangen, Fürth und Nürnberg punkten in Größenklassen Zwei oberfränkische Städte liegen besonders Weit hinten

Bayern besitzt zwar viele schöne Radwanderwege. Doch: „Der bleibt. Mit der bewerten die Radfahrenden Bayern in Sachen „, schreibt der ADFC Bayern in der Pressemitteilung zum deutschlandweiten Fahrradklimatest 2022. In einem wies der Fahrradclub deutschen Städten gruppiert nach Einwohnerzahl Plätze zu. Dabei ging es auch um die Frage, ob sich die Städte im Vergleich zum Vorjahr verbessert haben.

245.000 Radler beteiligten sich an Fahrradklima-Test – so funktionierte die weltgrößte Radumfrage

Der ADFC-Fahrradklima-Test ist laut eigenen Angaben die zur Zufriedenheit der Radfahrenden. Der ADFC führt ihn mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums durch. Rund stimmten in diesem Durchgang ab, davon seien 16 Prozent ADFC-Mitglieder. 1.114 Städte kamen in die Wertung gekommen. Davon lägen 164 Städte und Gemeinden in Bayern (2020: 167).

Der Test drehte sich um die Fragen, ob man sich auf dem Rad, wie gut die sind und wie viel die eigene für die tut. Fünf Zusatzfragen drehten sich um das Radfahren im. „Damit fundierte Ergebnisse erzielt werden können, müssen pro Stadt mindestens 50, bei größeren Städten mindestens 75 beziehungsweise 100 Abstimmungsergebnisse vorliegen. Die Ergebnisse des Tests haben durch die und können Kommunen helfen, das Angebot für Radfahrende gezielt zu verbessern“, heißt es weiter.

„Die der Radfahrenden hat sich „, resümiert der ADFC Bayern. Bayern – und bundesweit bewerten die rund 245.000 befragten Radler*innen das Fahrradklima mit der Note 3,8. Bernadette Felsch, Vorsitzende des ADC Bayern, kommentiert: „Die Ergebnisse des diesjährigen Fahrradklima-Tests sind. Bei der Radmitnahme im Öffentlichen Verkehr erhält Bayern die rote Laterne und die Bedingungen für Radfahrende bleiben unbefriedigend, obwohl mehr Radverkehr ist.“

Ortsgrößenklasse mehr als 500.000 Einwohner: Nürnberg in Top 10

In der größten Ortsgrößenklasse belegt den von. Dies ist derselbe Rang wie im Vorjahr. Die Frankenmetropole ist gleichzeitig die.

Bremen Frankfurt am Main Hannover Leipzig München Hamburg Dresden Düsseldorf Berlin Nürnberg

Ortsgrößenklasse 100.000 bis 200.000 Einwohner: Erlangen ist „Spitzenreiter“

Im gesamten Ranking stößt besonders heraus, denn die Stadt konnte sich den von 40 in der Ortsgrößenklasse 100.000 bis 200.000 Einwohner sichern. Damit erhält sie als einzige bayerische von 18 deutschen Städten den Titel. Im vorherigen Jahr belegte sie Platz 2 von 41. landet immerhin auf, auf.

Erlangen Göttingen Darmstadt Oldenburg (Oldenburg) Heidelberg Offenbach am Main Fürth Potsdam Hamm Heilbronn

Ortsgrößenklasse 50.000 bis 100.000 Einwohner: Aschaffenburg, Bamberg und Bayreuth mittelmäßig bis schlecht

Weniger stolz auf die Punkte in ihrer Größenklasse können Aschaffenburg, Bamberg und Bayreuth sein. belegt von 66, und.

Zu den bayernweit bewerteten Aspekten gehöre die zu (Note 4,8) und dass Radfahrer*innen an Baustellen meist zum Absteigen und Schieben gezwungen werden (Note 4,7), erklärt der ADFC Bayern zudem. Auch die werde von vielen Teilnehmenden kritisiert (Note 4,8, bundesweit: Note 4,7).

Besonders schlecht schneide die ab: Mit der Note 4,9 erhält Bayern die schlechteste Bewertung aller Bundesländer (bundesweit: Note 4,5). Vergleichsweise positiv bewerten die Befragten aus Bayern die Erreichbarkeit ihres Stadtzentrums mit dem Fahrrad (Note 2,7). für den Radverkehr konnten in der diesjährigen Erhebung ebenfalls punkten (Note 2,8).

Ortsgrößenklasse 20.000 bis 50.000 Einwohner: Hof und Kulmbach auf letzten Plätzen

447 Städte befinden sich in der Größenkategorie 20.000 bis 50.000 Einwohner. Gleich zwei fränkische Städte bilden das Schlusslicht. belegt noch, viele Plätze dahinter landet mit. landet auf, auf. belegt, schließlich und. Keine der aufgeführten fränkischen Städte konnte im Vergleich zum Vorjahr eine Verbesserung aufweisen.

Wie fahrradfreundlich ist Deutschland

Platz? Da! Der Radschnellweg Ruhr RS1 bringt Fahrradfahrer in Nordrhein-Westfalen schnurstracks von A nach B.

Schwing dich auf den Sattel und tritt in die Pedale! Der Fahrrad-Club ADFC hat in einer Umfrage die fahrradfreundlichsten Städte in Deutschland ermittelt. Wir verraten dir, welche Städte bei Radfahrern gut ankommen – und liefern Tipps für Touren.

Beim Fahrradklima-Test 2020 des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) traten mehr als 1000 deutsche Städte und Gemeinden buchstäblich gegeneinander an. 230.000 Radfahrer konnten im vergangenen Herbst darüber abstimmen, wie fahrradfreundlich die Kommunen sind, und haben Schulnoten in verschiedenen Kategorien vergeben. Jetzt stehen die Gewinner fest und wurden nach Einwohnerzahl gestaffelt präsentiert.

Wir stellen dir die Großstädte vor, die das Rad-Rennen gemacht haben – und trotzdem keine Traumnoten bekommen haben.

1. Platz: Bremen

Eine entspannte Runde durch die Wallanlagen, am Osterdeich entlang oder auf ein schnelles Getränk an die Schlachte: Die Radfahrer in Bremen sind am zufriedensten. Die Hansestadt hat in der ADFC-Umfrage bei den Städten ab 500.000 Einwohnern am besten abgeschnitten. Trotzdem läuft hier für Radler längst nicht alles rund – wie die Gesamtnote 3,57 zeigt.

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