Wie groß ist der Abstand zwischen den Radfahrern

ZPO § 529 I Nr. 1; BGB § 823 I; StGB § 229; StVO §§ 2 IV 1, 5 IV 2

Überholt ein Fahrradfahrer einen anderen Radfahrer, ist ein Sicherheitsabstand von einem Meter zwischen den Körpern der Fahrenden – nicht zwischen den Lenkern – ausreichend. Im Normalfall muss der Überholende sein beabsichtigtes Überholmanöver den zu Überholenden nicht vorher anzeigen. Dies hat das Kammergericht entschieden.

KG, Beschluss vom 26.02.2018 – 22 U 146/16 (LG Berlin), BeckRS 2018, 7502

Sachverhalt

Auf einem Radweg, der 1,75 Meter breit ist, wurde ein Radfahrer von einem anderen Radfahrer überholt. Dabei kam es zu einer Berührung. Der Überholte stürzte, verletzte sich und verlangt nun vom Überholer Schadenersatz.

Diesen verneinte das Landgericht. Der Überholte legte Berufung ein, die er damit begründete, dass der überholende Beklagte gar nicht hätte überholen dürfen, weil er den Sicherheitsabstand nicht habe einhalten können. Außerdem hätte er sein beabsichtigtes Manöver durch Klingeln vorher anzeigen müssen. Zudem habe er sein Verschulden letztlich dadurch zugegeben, dass er im Strafverfahren eine Geldbuße von 500 EUR bezahlt habe, um so eine Einstellung des Verfahrens gemäß § 153a StPO zu erreichen.

Rechtliche Wertung

Mit all den vorgetragenen Argumenten setzt sich das Kammergericht in dem hier vorliegenden Hinweisbeschluss eingehend auseinander. Die Zahlung eines geforderten Geldbetrags im Strafverfahren, um eine Einstellung des Verfahrens zu erreichen, könne nicht zum Nachteil des Beklagten ausgelegt werden, denn der Beklagte habe die Belastungen eines Strafverfahrens gescheut. Dies sei ein verständliches Motiv für die Zustimmung zur Einstellung.

Der Sicherheitsabstand dürfe nicht von den Endspitzen der Lenker gerechnet werden, sondern von Schulter zu Schulter und auf dieser Grundlage habe die Breite von 1,75 Meter des Radwegs ausgereicht, um gefahrlos zu überholen. Das beabsichtigte Überholmanöver habe schließlich auch nicht angekündigt werden müssen. Das sei nur notwendig, wenn besondere Umstände etwa dadurch vorlägen, dass der Weg unübersichtlich oder besonders schmal sei oder dass der zu Überholende erkennbar unsicher fahre. Solche Umstände hätten hier aber nicht vorgelegen.

Praxishinweis

Die Entscheidung stellen wir hier vor, weil sie für die Praxis wesentlich ist. Über Sicherheitsabstände sehr vieler Verkehrsteilnehmer untereinander wird sehr häufig gestritten (zuletzt ging es noch um Abstände zu einem stehenden Pferd) und deshalb ist auch die Meinung zu Abständen von Radfahrern untereinander durchaus von nicht unerheblicher Bedeutung.

Das Gericht wies die Berufung schließlich am 09.04.2018 durch Beschluss zurück (BeckRS 2018, 7500). Wir verweisen hier vorrangig auf den Hinweisbeschluss, da dieser die ausführlichere Begründung enthält.

Sicherheitsabst�nde f�r Radfahrer

Um bei einem unverschuldeten Unfall den Anspruch auf Schmerzensgeld nicht zu verlieren, sollten sie zu parkenden Kraftfahrzeugen mindestens 1 bis 1,20 Meter Abstand halten. Dabei ist der Abstand ab �u�erstem Rand des KFZ-R�ckspiegels zum rechten Ende des Fahrradlenkers ma�geblich. Auf dem Oedemer Weg sollte man also den Angebotsstreifen – so hei�t der Radschutzstreifen offiziell – im Bereich des unmittelbar angrenzenden Parkstreifens rechts neben sich liegen lassen. Dies ergibt sich aus einem Urteil des OVG L�neburg vom 25.7.2018.Zum rechten Fahrbahnrand sollte der Abstand 0,75 bis 1 Meter betragen.

Sicherheitsabstand zu Radfahrern in L�neburg

ADFC-Kreisverband L�neburg und Verkehrswacht L�neburg e. V. m�chten mithelfen, dass die Rechte der Radfahrer besser gesch�tzt werden. Anhand von f�nf Orten in L�neburg m�chten wir zeigen, wie gro� der Mindestabstand sein muss. Dazu haben wir �Schwimmnudeln� gekauft, sie auf eine L�nge von 1,50 m gek�rzt und Fotos sowie Videos an f�nf L�neburger Stra�ensituationen gemacht.

Schon bei einem PKW durchschnittlicher Gr��e zeigt sich: ein �berholen eines Radfahrers ist bei Gegenverkehr nicht m�glich, denn es m�sste auf die Gegenspur ausgewichen werden.

Mit Abstand fährt´s sich besser!

Wer ein fahrendes Fahrzeug überholt, muss gemäß § 5 Absatz 4 Satz 2 StVO einen ausreichenden Seitenabstand einhalten. Aber was bedeutet das genau?

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Wer ein fahrendes Fahrzeug überholt, muss gemäß § 5 Absatz 4 Satz 2 StVO einen ausreichenden Seitenabstand einhalten. In § 5 Absatz 4 Satz 3 StVO wird dieser für das Überholen von Fußgängern, Rad – und Elektrokleinstfahrzeugfahrern auf mindestens 1,5 Metern innerhalb und mindestens 2,0 Metern außerhalb geschlossener Ortschaften festgesetzt.

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In einem Urteil des OLG Celle vom 01.11.2018 (Az. 14 U 61/18) heißt es z. B.:

Unter normalen Bedingungen sollte ein Meter ausreichen (vgl. OLG Karlsruhe, Urteil vom 08.06.2001, Az. 1 U 77/01). Wird dieser Abstand nicht eingehalten, können eine Haftungsquote oder – teilung z. B. dann in Betracht kommen, wenn mit zu geringem Abstand an der geöffneten Tür vorbeigefahren wird (OLG Frankfurt, Urt. v. 28.01.2014, Az. 16 U 103/13. Einzelfallabhängig kann der beim Vorbeifahren einzuhaltende Seitenabstand aber auch durchaus geringer sein als der beim Überholen und bei der Begegnung regelmäßig verlangte Mindestabstand von 1 m (OLG Köln, Beschl. v. 10.07.2014, Az. I-19 U 57/14).

Ungeachtet dessen soll der Seitenabstand beim Passieren so bemessen sein, dass ein (mindestens) geringfügiges Öffnen einer Fahrzeugtür noch möglich ist (BGH, Urteil vom 16.09.1986, Az. VI ZR 151/85; LG Saarbrücken, Beschl. v. 12.09.2017, Az. 13 S 69/17) 34-35 Zentimeter reichen hierfür nicht aus (BGH, Urt. v. 03.07.1956 – Az. VI ZR 59/55; AG Frankenthal, Urt. v. 26.06.2020, Az. 3c C 61/19). 50 Zentimeter können dagegen schon genügen (KG Berlin, Beschl. v. 30.07.2009, Az. 12 U 175/08, m. w. N.).

Wer allerdings mit einer Geschwindigkeit von 50 km/h und einem sehr geringen Seitenabstand von weniger als einem Meter an der innerorts liegengebliebenen Arbeitsmaschine vorbeifährt, an der Starthilfe geleistet wird, verhält sich verkehrswidrig und rücksichtslos, da er seine Fahrweise nicht – gemäß der aus § 3 Abs. 1 StVO folgenden Pflicht – den Verkehrsverhältnissen anpasst. Außerdem verstößt er gegen das allgemeine Gebot der Rücksichtnahme nach § 1 StVO. Beides kann zu einem Ausschluss des Mitverschuldens des Geschädigten führen (OLG Dresden, Urt. v. 28.04.2017, Az. 6 U 1780/16).

Achtung beim Überholen von Fahrradfahrern und Bussen!

Einem Urteil des OLG Saarbrücken zufolge, reicht bei einer langsamen Bergauffahrt beim Überholen eines Fahrradfahrers ein Seitenabstand von 1,30 Meter aus. Dem Gericht zufolge gilt dies insbesondere dann, wenn an einer Stelle überholt wird, die wegen des Straßenverlaufs über mehrere Kilometer hinweg die einzige Überholmöglichkeit bietet (Urt. v. 18.06.2020, Az. 4 U 4/19).

Dennoch muss der Überholende auf die Fahrweise des Eingeholten Rücksicht nehmen. Insbesondere darf er diesen nicht gefährden. Insbesondere muss er sich auch auf die Möglichkeit geringfügiger seitlicher Fahrbewegungen eines Radfahrers, insbesondere dessen häufig leicht schwankende Fahrlinie berücksichtigen. Das Überholen mehrerer Fahrzeuge einer Kolonne ist grundsätzlich nicht verboten, jedoch folgt hieraus eine erhöhte Sorgfaltspflicht (OLG Saarbrücken, Urt. v. 15.12.2022, Az. 4 U 136/21).

Beim Überholen von Fahrzeugen des ÖPNV wie Linienbussen, Straßenbahnen und Schulbussen darf gemäß § 20 Abs. 2 und 4 StVO nur mit „“ Regelmäßig sind hier ebenfalls mindestens 2,0 Meter einzuhalten.

Zumindest dem OLG Karlsruhe zufolge, müssen Radfahrer grundsätzlich mit Schwankungen in der Fahrlinie eines vorausfahrenden Radfahrers rechnen. Ein Seitenabstand von ca. 32 cm beim Überholen (gemessen zwischen den Körpern der beiden Radfahrer) ist daher – jedenfalls auf einem unebenen Sand-Schotter-Weg – in der Regel zu gering. Sollte auf einem 2 Meter breiten Radweg ein Überholen mit ausreichendem Seitenabstand nicht möglich sein, muss der schnellere Radfahrer gegebenenfalls vom Überholen absehen. Etwas anderes kann gelten, wenn vor dem Überholvorgang eine Verständigung zwischen den Radfahrern stattgefunden hat (Urt. v. 30.05.2016, Az. 9 U 115/15).

Der Seitenabstand zum Fahrbahnrand sollte zwischen mindestens 0,5 bis 1 m betragen (z. B. OLG Celle Urt. v. 06. 11. 2018, Az. 14 U 61/18). Dem entsprechend hat z. B. das Hanseatische Oberlandesgericht Bremen festgestellt, dass ein Fahrzeugführer, der mit einem Sicherheitsabstand von 0,5 m vom rechten Bordstein fährt, nicht gegen das Rechtsfahrgebot verstößt (Hans. OLG Bremen, Urt. v. 13.12.1978, Az. 3 U 34/78). Das OLG Hamm hat für einen Pkw mit Anhänger im Bereich eines Fußgängerüberwegs einen Sicherheitsabstand von 0,6 m für ausreichend erachtet, wobei allerdings die konkrete Ausgestaltung, der Fahrbahnbreite und die Verkehrslage ebenfalls eine Rolle spielen (Urt. v. 14.07.2003, Az. 6 U 39/03).

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Der Sicherheitsabstand zu entgegenkommenden Fahrzeugen muss untereinander mindestens 1 m betragen, wobei mindestens die Hälfte dieses Abstandes in der jeweiligen Fahrbahnhälfte frei bleiben muss (OLG München, Endurteil v. 02.06.2021, Az. 10 U 7512/20). Ist dies – auch bei vorsichtiger Fahrweise und niedriger Geschwindigkeit – nicht möglich, haben im Zweifel beide Fahrzeugführer anzuhalten und sich darüber zu verständigen, welcher von ihnen am stehenden Fahrzeug des anderen in langsamer Fahrt vorbeifährt (OLG Hamm, Urt. v. 07.06.2016, Az. 9 U 59/14).

Beim Einfahren in eine Parklücke gilt, dass der einfahrende Fahrzeugführer darauf zu achten hat, ob sich noch Personen im Fahrzeug befinden und muss mit dem Aussteigen selbiger rechnen, § 1 StVO (LG Hagen, Urt. v. 20.12.2017, Az. 3 S 46/17; LG Amberg, Endurteil v. 19.07.2017, Az. 24 S 77/17).

Verkehrssicherheit in Gießen – Radfahrer überholen mit 1,5 m Abstand!

Am Infostand auf dem Kirchenplatz in Gießen zeigt die ordnungspolizei anhand mehrerer Gegenstände, wie breit eigentlich 1,5 Meter sind.

Heute (24. Mai) und am 01. Juni steht jeweils ab 11:00 Uhr am Gießener Kirchenplatz ein blau-weißer LKW von der Ordnungspolizei der Stadt. Dort können Sie sich über das Thema Verkehrssicherheit informieren – insbesondere aber über die Abstandsregeln, die für Auto – und Radfahrer gelten.

StVO-Novelle seit 2020

Seit 2020 ist der Überholabstand folgendermaßen in der Straßenverkehrsordnung geregelt: Wer andere Verkehrsteilnehmende, die zu Fuß, mit dem E-Roller oder mit dem Rad unterwegs sind, mit einem Kraftfahrzeug überholt, muss innerorts mindestens 1,5 Meter, außerorts sogar mindestens 2 Meter Abstand halten.

Dooring-Unfälle vermeiden

Was viele nicht wissen – wie eine FFH-Umfrage unter den Gießenerinnen und Gießenern zeigt – auch für Radfahrer gelten Abstandsregeln. Um sogenannte Dooring-Unfälle, also Zusammenstöße mit plötzlich geöffneten Autotüren, zu verhindern, müssen Radfahrer auf dem Fahrradstreifen einen Meter Abstand zu den parkenden Autos halten.

FFH-Reporterin Dominique Bundt hat bei den Menschen in Gießen nachgefragt – und da gibt es deutliche Unsicherheiten.

Kein Sicherheitsabstand: Auto bringt Radfahrerin bei Wittlich zu Fall

Eine Autofahrerin wollte zwischen Salmtal und Wittlich Radfahrer überholen. Dabei hielt sie nicht genug Abstand. Eine Frau stürzte deshalb mit ihrem Rad und kam ins Krankenhaus.

Der Unfall passierte am Dienstag auf der Landstraße zwischen Salmtal und Wittlich. Wie die Polizei mitteilte, war ein Ehepaar dort auf Fahrrädern unterwegs in Richtung Wittlich.

Ohne Sicherheitsabstand überholt

Eine Autofahrerein näherte sich laut Polizei von hinten und bemerkte die beiden Radfahrer. Sie setzte zum Überholen an, achtete laut Polizei aber nicht auf einen ausreichenden Sicherheitsabstand. Autofahrer müssen normalerweise mindestens 1,5 Meter innerorts und 2 Meter außerorts Abstand halten, wenn sie Radfahrer überholen.

Das Auto berührte mit dem Außenspiegel die Frau auf ihrem Rad, sodass diese stürzte. Mit einer stark blutenden Wunde wurde die 68-Jährige, die keinen Helm trug, zunächst von Ersthelfern versorgt. Dann wurde sie von einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht. Die Landstraße war wegen des Unfalls fast eine halbe Stunde gesperrt.

Risiken im Verkehr Wenn das Risiko beim Fahrradfahren mitfährt

Oft kommen sich Auto – und Radfahrer zu nah. Welche Strafen drohen in so einem Fall? Und wie teuer wird es, wenn der Autofahrer auf dem Fahrradweg parkt?

Mindestabstand, Radwege, Überholen Das Gesetz der Straße: Was Radfahrer wissen müssen

Parkende Autos auf Radwegen, gefährliche Begegnungen mit Fußgängern: Fahrradfahrer kommen oft in brenzlige Situationen. Wer ist im Recht, wenn es wirklich mal kracht?

Datenprojekt: Radmesser Nur die Hälfte der Autos hält richtig Abstand

1,5 Meter müssen Fahrzeuge Abstand halten, wenn sie Radfahrer überholen. Aber passiert das auch? Der Berliner Tagesspiegel wollte Antworten und startete das datenjournalistische Projekt Radmesser. Die Ergebnisse sind erschreckend.

Mit Radmesser geht der Tagesspiegel der Frage nach, ob Fahrzeuge im Straßenverkehr eigentlich ausreichend Abstand halten, wenn sie Radfahrer überholen. Denn es gilt ein Mindestabstand von 1,5 Metern. Dieser wurde in Gerichtsverfahren festgelegt, in der Straßenverkehrsordnung ist er nicht explizit erwähnt.

Testfahrer mit Abstandssensoren

Für das Projekt Radmesser brauchte die Zeitung freiwillige Testfahrer. Die hatten bei ihren Fahrten einen Abstandsmesser dabei: eine kleine schwarze Box, in die drei Ultraschallsensoren verbaut sind. Zwei links und einer rechts. Die Sensoren messen im Durchschnitt rund 20 Mal pro Sekunde den Abstand zwischen den Testfahrern auf ihren Fahrrädern und überholenden Autos, Bussen, Motorrädern oder auch Lastern.

So kamen durch die Sensoren 46 Millionen Einzelmessungen zusammen. Die Testfahrer legten insgesamt 13.000 Kilometer zurück. Dabei wurden sie 17.000 Mal überholt.

    Mehr als die Hälfte aller Autos, Laster, Busse und motorisierter Zweiräder überholten die Test-Radler mit einem zu engen Abstand. Die Hälfte der Fahrer hielten beim Überholen den Mindestabstand von 1,5 Metern nicht ein. Wenn auf dem Rad Kinder mitbefördert werden, liegt der Mindestabstand sogar bei zwei Metern. Dieser Abstand wurde bei den Testfahrten in 56 Prozent aller Messungen unterschritten. Bei knapp einem Fünftel der Überholvorgänge zogen die Autos mit nur einem Meter Abstand an den Fahrradfahrern vorbei.

Solche knappen Überholmanöver sind ein enormes Risiko für Radfahrer, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Martina Schulte.

Mehr Kontrollen könnten helfen und es gibt klare Bußgelder. Zu enges Überholen zum Beispiel kostet laut Bußgeldkatalog 30 Euro. Aber: Der Abstand bei Überholmanövern wird weder in Berlin noch in vielen anderen deutschen Städten kontrolliert.

Kontrollen sind schwierig

Doch hätte die Polizei alle Testfahrer des Projektes Radmesser lückenlos überwacht, dann wären Bußgelder in Höhe von 282.060 Euro fällig geworden, so der Tagesspiegel. Doch die Kontrollen sind aufwendig: Dazu müssten zum Beispiel Polizisten auf Rädern mit Abstandsmessern durch die Stadt radeln. Oder es bräuchte Kontrolltechnik.

Außerdem werden auch Kontrollen und Bußgelder allein kaum helfen, sagt Martina Schulte. Es braucht langfristige Lösungen.

Erst eine verbesserte Infrastruktur kann die Situation nachhaltig ändern. Zum Beispiel, dass mehr Radwege von der übrigen Straße abgetrennt werden. Doch bis sich die Infrastruktur wirklich ändert, sind Radfahrer darauf angewiesen, dass sich die anderen Verkehrsteilnehmer an die Regeln halten und Rücksicht nehmen. „Eine Aktion wie Radmesser hilft da sicherlich, das Bewusstsein zu schärfen“, sagt Martina Schulte.

    | Was ihr als Radfahrer dürft und was nicht. Wie ihr eure Pedale am besten einstellt. Welches die gefährlichen Situationen im Verkehr sind und anderes. Im Radfunk räumen unsere Radreporter Paulus Müller und Klaas Reese mit Halbwissen rund ums Radfahren auf. | Der Essenslieferservice Deliveroo hat die Daten seines Routing-Algorithmus ausgewertet. Danach sind Radfahrer schneller als Autos oder Motorräder. | Clara Bütow ist zwei Monate lang mit dem Fahrrad quer durch Europa gefahren, um auf Plastikmüll aufmerksam zu machen, den wir massenhaft produzieren.
    Kurz und Heute – Beitrag aus unserem Archiv vom 04. Dezember 2018 Moderator: Till Haase Gesprächspartnerin: Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova

Offener Brief fordert Zero-Covid-Strategie

Der einzig richtige Weg im Umgang mit der Corona-Pandemie sei die Zero-Covid-Strategie – das fordern Berufstätige aus dem Gesundheitswesen in einem offenen Brief von der Politik. Was genau mit der Strategie gemeint ist, erklärt uns der Mediziner Marc Hanefeld, der den Brief mit initiiert hat.

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Abzug aus Afghanistan ja oder nein? Trump bleibt bei Obamas Politik – mit einer kleinen, aber wichtigen Änderung.

Nase verrät Herkunft

Die Themen in den Wissensnachrichten: +++ Nasenform passt sich möglicherweise dem Klima an +++ Superharte Fensterscheiben aus Keramik +++ Zu viel wilde Frösche landen auf unseren Tellern +++

Verkehrssicherheitskampagne „Schulterblick“ und „Abstand halten“

Die Stadt Brandenburg an der Havel beteiligt sich an der Verkehrssicherheitskampagne „Schulterblick“ und „Abstand halten“ der AGFK, um Verkehrsteilnehmende auf Unfallrisiken zwischen Radfahrenden und motorisierten Verkehrsteilnehmern, insbesondere auf die Wichtigkeit des Schulterblicks sowie der Einhaltung des ausreichenden Überholabstandes hinzuweisen.

Dazu erklärt Oberbürgermeister Steffen Scheller: „Es ist das Ziel der Stadt, die Verkehrssicherheit, die Rücksichtnahme und die Problemwahrnehmung unter den Verkehrsteilnehmern zu erhöhen und dadurch die Handlungsweisen positiv zu beeinflussen.“Die Plakatkampagne umfasst eine Laufzeit von 12 Tagen, beginnt landesweit am 01. Juni 2018 und richtet sich an die Fahrerinnen und Fahrer von PKW und LKW. Deshalb wurde auf Großflächenplakate an Hauptstraßen und Kreuzungspunkten zurückgegriffen. Auf der 4. Fachkonferenz FahrRad des Landes Brandenburg am 06. Juni 2018 in Eberswalde wird der Vorsitzende der AGFK Brandenburg, Herr Landrat Stephan Loge, im Beisein von der Schirmherrin der AGFK, der Ministerin Kathrin Schneider, die Aktion auch einem breiten Fachpublikum präsentieren.

„Jede vierte im innerörtlichen Straßenverkehr verunglückte Person in Deutschland ist ein Radfahrer“Unfälle mit abbiegenden Kraftfahrzeugen und geradeaus fahrenden Radfahrern machen dabei einen erheblichen Anteil an Radverkehrsunfällen aus und sind zumeist folgenschwer. Ursache hierfür ist zum einen die fehlende Sichtbeziehung zwischen Kfz-Fahrern und Radfahrern an Kreuzungen und Einmündungen. Zum anderen führt falsches Verhalten beim Abbiegen zu häufig schweren Unfällen mit Radfahrern. Als häufigster Grund, warum Radfahrer aus Angst auf der Fahrbahn zu fahren lieber auf den Seitenraum ausweichen – wo sie nicht nur Fußgänger, sondern auch sich selbst gefährden – wird ein zu dichtes Überholen durch Autofahrer genannt. Die meisten Autofahrer entscheiden rein nach Gefühl, ob sie an einem Radfahrer „vorbeiziehen“. Doch es gibt Vorschriften für den Überholvorgang. In § 5, Absatz 4 der Straßenverkehrsordnung heißt es: „Wer zum Überholen ausscheren will, muss sich so verhalten, dass eine Gefährdung des nachfolgenden Verkehrs ausgeschlossen ist. Beim Überholen muss ein ausreichender Seitenabstand zu anderen Verkehrsteilnehmern, insbesondere zu den zu Fuß Gehenden und zu den Rad Fahrenden, eingehalten werden. Wer überholt, muss sich so bald wie möglich wieder nach rechts einordnen. Wer überholt, darf dabei diejenigen, der überholt wird, nicht behindern.“Grundsätzlich ist immer damit zu rechnen, dass ein Radfahrender nach links ausweicht, beispielsweise bei einem Schlagloch, Schachtdeckel sich öffnenden Autotüren oder einem Windstoß. Ein ausreichend großer Überholabstand ist folglich im wahrsten Sinne lebenswichtig. Wie groß der Abstand genau sein muss, definiert das Gesetz leider nicht und es bedarf daher eines „Blickes in die Rechtsprechung“ , welche davon ausgeht, dass ein Abstand beim Überholen eines Fahrrads von mindestens 1,5 Meter (2,0 Meter wenn ein Kind auf dem Fahrrad transportiert wird) zu gewährleisten ist. Dies bedeutet, dass üblicherweise der linke Fahrstreifen in Gänze zum Überholen zu nutzen ist.

Kreis Lippe gibt Sicherheitstipps: Radfahrer mit Abstand überholen

Kreis Lippe. Viele Lipperinnen und Lipper sind derzeit mit dem Fahrrad unterwegs. „Wer Radfahrer mit dem Auto überholt, muss unbedingt auf ausreichend Abstand zwischen Rad und Kraftfahrzeug achten“- darauf macht der Kreis Lippe in einer Pressemitteilung aufmerksam und erklärt Hintergründe und Regeln.

Noch immer steige der Anteil der Radfahrer unter allen Verkehrsopfern. Immer wieder seien geringe Abstände bei Überholvorgängen und fehlende Rücksichtnahme die Unfallursache. Das größte Hemmnis aufs Rad zu steigen, bleibe die Unsicherheit auf den Straßen.

„Kraftfahrzeuge müssen beim Überholen ausreichend Abstand zu Radfahrern einhalten. Egal ob gestrichelte oder durchgezogene Linie auf der Straße: Innerorts gilt beim Überholen mindestens 1,5 Meter Abstand, außerorts mindestens zwei Meter. Schutzstreifen sind an der gestrichelten Linie zu erkennen, Radfahrstreifen haben eine durchgezogene Linie“, schreibt die Kreisverwaltung in der Mitteilung.

Abstandsgebot schützt Radfahrer

„Der Schutzstreifen gehört zur Fahrbahn. Somit schützt das Abstandsgebot die Radfahrer, wenn sie überholt werden“, sagt Anna-Lena Mügge, Radverkehrsbeauftragte des Kreises Lippe. „Etwas anders ist es beim Radfahrstreifen: Dieser ist ein Sonderweg für den Radverkehr und somit kein Teil der Fahrbahn. Deshalb gilt das Abstandsgebot für diesen Bereich nicht – aber das Rücksichtnahme – und Gefährdungsgebot“, erklärt sie weiter.

Im Ergebnis mache es für den Sicherheitsabstand keinen Unterschied, weiß Christian Bange, stellvertretender Radverkehrsbeauftragter: „Eine Linie auf der Fahrbahn ändert nichts an den physischen und psychischen Folgen eines zu dichten Vorbeifahrens. Sogwirkung, Erschrecken oder Verunsicherung können zu den Folgen zählen. Möglicherweise kann es sogar dazu führen, dass Bürger in ihrem Alltag eingeschränkt werden, indem sie bestimmte Strecken oder das Radfahren überhaupt meiden“, sagt er.

Und die Kreisverwaltung hat weitere Hinweise: „Fahrzeuge dürfen auf Radfahrstreifen und auf Schutzstreifen weder parken noch halten. Autofahrer dürfen Schutzstreifen für den Radverkehr nur bei Bedarf überfahren – etwa um dem Gegenverkehr auszuweichen. Der Radverkehr darf dabei nicht gefährdet werden.“

Für Radfahrer gilt nach Angaben der Verwaltung grundsätzlich das Rechtsfahrgebot. Wenn die Streifen nur in einer Fahrtrichtung markiert sind, müssten Radler, die in Gegenrichtung unterwegs sind, die Fahrbahn benutzen.

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Teils nur 24 Zentimeter Überholabstand: „Es ist so wie befürchtet“

Autolenker überholen Radfahrer: Die Radlobby und die FH Joanneum haben gemeinsam mehr als 2000 Überholvorgänge ausgewertet – mit teils „erschreckenden Ergebnissen“, so Heidi Schmitt von der Radlobby.

Mehr als die Hälfte der Pkw-Lenker hat die Radfahrer zu knapp überholt: Das ist die Kernaussage einer Untersuchung, die die Radlobby Steiermark gemeinsam mit dem Institut für Energie-, Verkehrs – und Umweltmanagement der FH Joanneum durchgeführt und ausgewertet hat. Konkret wurden mehr als 2000 Überholvorgänge aufgezeichnet, bei 55,4 Prozent war der Abstand geringer als 1,5 Meter, bei 13,2 Prozent sogar geringer als ein Meter. Der Extremfall: 24 Zentimeter.

Der Seitenabstand beim Überholen würde zu knapp? Dann einfach nicht überholen!

„Es ist so wie befürchtet“, sagt Heidi Schmitt von der Radlobby. Tatsächlich klagen viele Radfahrer darüber, dass sie zu knapp überholt werden. Diesem subjektiven Unsicherheitsgefühl wollte die Radlobby mit der Untersuchung und konkreten Daten auf den Grund gehen. Die Extremfälle – von einem halben Meter bis eben 24 Zentimeter – bezeichnet Schmitt als „erschreckend“: „All das untermauert unsere langjährige Forderung, den Überholabstand endlich klar gesetzlich zu regeln.“

Ab 1. Oktober regelt die StVO den Mindestabstand neu – mit einem Schönheitsfehler

Dabei tritt mit 1. Oktober die große Novelle der Straßenverkehrsordnung in Kraft, die eigentlich genau das tut: Zwei Meter außerhalb des Ortsgebietes als Mindestabstand beim Überholen, 1,5 Meter im Ortsgebiet. Schmitt sieht allerdings ein großes „Aber“: Wer langsamer als 30 km/h unterwegs ist, darf die 1,5 Meter unterschreiten. Damit sei das wieder nicht klar geregelt. „Und es ist auch nicht klar, wie das exekutiert wird.“

Die Radlobby ist überzeugt: „Ein besseres und sicheres Überholverhalten auf Österreichs Straßen ist ein Schlüssel zu mehr Radverkehr.“ Dafür braucht es neben Gesetzen auch bewusstseinsbildende Maßnahmen.

Wo Grazer Radfahrer besonders eng überholt werden

Die Untersuchung zeigt übrigens auch, wo im Grazer Stadtgebiet problematische Stellen sind: So waren die Überholabstände besonders in der Liebenauer Hauptstraße, der Meran – und St. Peter Hauptstraße, Heinrich – und Hilmteichstraße sowie in der Peter-Tunner-Gasse und der Grabenstraße zu knapp.

Hier geht es zu den zwei Bachelorarbeiten, die auf Basis der Daten an der FH verfasst wurden:

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