Kann man mit 40 noch Radprofi sein

Wie Radfahren den Körper verändert: innerlich und äußerlich

Beim Radfahren treten eine Reihe von Veränderungen im eigenen Körper auf. Einige sind Äußerlicher Natur, sprich Gewichtsverlust und mehr Muskelmasse an den Beinen, andere sind nicht sichtbar, aber spürbar, z. B. schlafen wir besser. Mehrere Studien ( hier und hier ) haben gezeigt, dass Menschen, die 30 Minuten am Tag Fahrrad fahren, eine höhere Lebenserwartung haben als diejenigen, die keinen Sport treiben. Der Grund dafür sind die vielen Veränderungen, die beim Radfahren in unserem Körper stattfinden. Eine Erklärung:

Radfahren und seine internen Auswirkungen auf unseren Körper

Die wichtigste Veränderung ist die Verbesserung der eigenen Herzkreislaufgesundheit . Unser Herz wird stärker und größer und es arbeitet während des Trainings und in Ruhe effizienter. Die niedrigere Herzfrequenz und der niedrigere Blutdruck reduzieren das Herzinfarktrisiko. Die erhöhte Lungenkapazität lässt uns besser atmen. Da das Blut effizient mehr Sauerstoff zu den Muskeln transportiert und das Abfallprodukt der Energieverbrennung (Kohlendioxid) schnell abtransportiert, dauert es länger, bis wir müde werden, schließlich sind unsere Muskeln gut mit Sauerstoff versorgt.

Die Mitochondrien in unseren Zellen sind für die Umwandlung von Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen in Energie zuständig. Wenn wir Fahrrad fahren, signalisieren wir unserem Körper, dass wir Energie benötigen. Das veranlasst ihn dazu, mehr Mitochondrien zu produzieren und uns so das zu geben, wonach wir verlangen. Wenn wir zusätzlich noch einem Trainingsplan folgen, werden unsere Muskeln effizienter arbeiten und die Muskelfasern und Mitochondrien an das anpassen, was wir von ihnen verlangen.

Zu Beginn des Artikels haben wir erwähnt, dass sich Durch das Radfahren die eigene Schlafqualität verbessert . Dies ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Zum einen macht Bewegung müde und der Körper muss sich erholen – was er tut, wenn wir schlafen. Außerdem senkt Radfahren den Cortisolspiegel (das wichtigste Stresshormon), was das Einschlafen erleichtert. Vitamin D, das dank der Sonneneinstrahlung beim Radfahren gebildet wird, ist für gute Stimmung und Schlaf unerlässlich. Eine Studie der Stanford University School of Medicine fand heraus, dass 20 bis 30 Minuten pro Tag auf dem Rad Menschen mit Schlaflosigkeit dabei helfen, schneller in den Schlaf zu finden und die Schlafdauer zu erhöhen.

Auch unser Immunsystem profitiert stark vom Radfahren. Mit einem gesunden Herzen und einer gesunden Lunge, gutem Schlaf und guter mentaler Gesundheit lassen sich Krankheiten oder Infektionen leichter überwinden. Aber die innerlichen Veränderungen sind noch tiefgreifender. Vielleicht hast du im Zuge der COVID-19-Pandemie von den T-Zellen gehört. Hierbei handelt es sich um spezielle Lymphozyten, die eine wichtige Rolle im eigenen Immunsystem spielen und es dazu befähigen, sich anzupassen und neue Infektionen zu bekämpfen. In this study wurde festgestellt, dass erwachsene Radfahrer (zwischen 55 und 79 Jahren) mehr T-Zellen hatten als Menschen gleichen Alters, die keinen Sport trieben. Sie wiesen ähnlich viele T-Zellen auf wie 20-Jährige.

Weitere positive Effekte des Radfahrens:

Reduzierung und Vorbeugung von Rückenschmerzen. Man kräftigt die eigene Rückenmuskulatur, insbesondere im Lendenbereich, und schützt so die Wirbelsäule.

Erhöhung der Stoffwechselrate. Deshalb macht uns das Radfahren (oder jede andere sportliche Betätigung) hungrig.

Weniger Wassereinlagerungen. Dank der Beinbewegung beim Treten, aber auch durch die Aktivierung des eigenen Körpers, fließt das Blut schneller, man schwitzt und es wird Flüssigkeit ausgeschwemmt, die sich im inaktiven Zustand im Körper ansammelt.

Äußerliche Auswirkungen des Radfahrens auf den eigenen Körper

Gewichtsabnahme und die Stärkung bzw. die Zunahme an Bein – und Gesäßmuskulatur sind die beiden wichtigsten äußerlichen Veränderungen, die das Radfahren in unserem Körper bewirkt.

Was das Gewicht anbelangt, solltest du dich nicht verrückt machen. Fange einfach an und sei es nur, dass du zur Arbeit pendelst oder eine 30-minütige Fahrradtour machst. Nicht mehr inaktiv zu sein und sich regelmäßig zu bewegen, ist bereits eine Leistung. Wenn man sich selber den Druck macht, mit irgendeiner Modediät schnell an Gewicht zu verlieren, sind Misserfolg und Jojo-Effekt vorprogrammiert.

Ja, Radfahren hilft beim Abnehmen, bewirkt aber keine Wunder, genauso wenig wie es Wunderdiäten tun. Es kommt mehr darauf an, was man isst, als darauf, wie viele Stunden man auf dem Fahrrad sitzt. Tägliche Bewegung zusammen mit gesunden Essgewohnheiten bildet die beste Strategie, um nicht nur schrittweise an Gewicht zu verlieren, sondern auch um rundum gesund zu bleiben. Vertraue außerdem nicht auf die Waage, sie kann ziemlich trügerisch sein. Sie liefert dir nur Zahlen, sagt dir aber nicht, wie sich dein Gewicht zusammensetzt: ist es Fett, Muskelmasse, Flüssigkeit oder gespeichertes Glykogen?

Die Gewichtsentwicklung hängt davon ab, wo man anfängt und wie man trainiert (Intensitätsstufen und Dauer). Wenn man einfach nur zum Spaß Rad fährt oder das Fahrrad als Fortbewegungsmittel nutzt, bemerkt man die körperliche Veränderung nach einiger Zeit vielleicht gar nicht mehr . Man wird das Gefühl haben, dass einem einige Kleidungsstücke zu groß sind. Einige Leute, die man schon lange nicht mehr gesehen hat, werden einem vielleicht sagen, dass man dünner aussieht und die Oma möchte einem vielleicht eine Extraportion Nachtisch geben.

Fährt man schon länger, wird man irgendwann feststellen, dass man ein Plateau erreicht oder sogar an Gewicht zugelegt hat. Dann kann man versuchen, den Trainingsmodus zu wechseln und den Körper so aus seiner Komfortzone zu holen. Man kann sein Training auch modifizieren, indem man mehr Intensitätstraining mit Intervallen durchführt. Auf diese Weise wird jeder Tag anders sein und man bringt seinen Körper dazu, sich anzupassen und zu optimieren.

Muss ich eine andere Hose für meine neuen, veränderten Beine kaufen? Das hängt davon ab, wie man Rad fährt, wie man trainiert und welche Art von Hose man normalerweise trägt. Wenn man sich die Profis anschaut, wird man sehen, dass sie alle Radfahrerbeine haben, aber jeder von ihnen zeigt eine andere Muskelausprägung. Bahnradfahrer, die Sprints machen, sind ein extremes Beispiel. Ihre Beine sind so dick, dass sie maßgeschneiderte Hosen kaufen müssen. Jedoch ist der Großteil ihrer Muskelmasse auf das Training im Gym zurückzuführen, nicht auf das Radfahren.

Eine Person, die mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, wird feststellen, dass ihre Beine schlanker und straffer werden. Fährt man häufig Rad, werden die wichtigsten Beinmuskeln stärker entwickelt sein: vor allem Gesäß, Waden und Quadrizeps; Adduktoren, hintere Oberschenkelmuskulatur und Soleus etwas weniger. Die Entwicklung der Beinmuskulatur hängt weitgehend von dem eigenen Radtraining und zusätzlichem Fitnesstraining ab.

Vergiss nicht, dass Radfahren zwar die Muskeln an Beinen und Gesäß stärkt, aber andere Körperteile nicht wirklich beeinflusst. Deshalb ist es wichtig, auch andere Muskelgruppen zu trainieren. Nicht um der Hypertrophie und der Vergrößerung des Muskelumfangs willen, sondern für das allgemeine muskuläre Gleichgewicht und um den Tonus und die Kraft im Oberkörper nicht zu verlieren.

Muskuläre Dysbalancen gehören zu den “negativen” Effekten des Radfahrens. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, lies unseren nächsten Artikel, in dem wir mit einer guten Portion Humor einige dieser nicht so positiven Veränderungen in deinem Körper erklären und dir Tipps geben, wie du ihnen bestmöglich entgegenwirken kannst.

Https://www. siroko. com/blog/c/de/wie-radfahren-den-korper-verandert-innerlich-und-ausserlich/

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Zahlen eines Radprofis

Kann man mit 40 noch Radprofi sein

Statistisch gesehen trainiert ein Radprofi jährlich zwischen 1.000 und 1.350 Stunden und fährt zwischen 80 und 150 Rennen.

In seiner Karriere kommt er durchschnittlich auf 400.000 bis 600.000 Kilometer. Sein Herz wiegt mit 500 Gramm 200 Gramm mehr als das Herz eines normalen Menschen.

Pro Herzschlag pumpt es 150 Milliliter Blut durch die Arterien, fast doppelt so viel wie ein normales Herz.

Profis können eine Stunde lang eine Dauerleistung zwischen 400 und 450 Watt bringen, normale gesunde Menschen gleichen Alters nur 170 Watt.»

Quelle: Achim Schmidt, DSHS Köln

Kann man mit 40 noch Radprofi sein

Wow. Wenn ich solche Radprofi-Zahlen lese, dann kann ich nicht anders, ich bin beeindruckt.

Bei aller Diskussion die es leider viel zu oft im Radsport gibt, vergisst man gerne mal, wie viel Disziplin, harte Arbeit und Aufopferung über Jahre nötig sind, um als Radprofi in der Weltspitze mitfahren zu können.

Im Schnitt verbringt ein Radprofi rund 1.000 bis 1.350 Stunden im Sattel. Wie viel Sattelzeit habt ihr so?

Ein kurzer Blick in meine Statistik: Bei mir waren es seit Januar 333 Stunden; hochgerechnet aufs ganze Jahr werde ich wohl auf 500 Stunden kommen.

Das ist für einen Hobbytriathleten/-radfahrer sicher ganz okay, aber nicht mal die Hälfte von dem, was ein Radprofi so abspult. Von der Lebenskilometerleistung will ich hier gar nicht erst anfangen…

Und auch die durchschnittliche Leistungsfähigkeit eines Radprofis liegt bei zirka 400-450 Watt an der FTP. Wahnsinn. Auch das sind Werte, von denen ein Hobbysportler nur träumen kann.

Profitriathleten kommen sicher auf ähnliche Werte bezogen auf alle drei Disziplinen.

Kann man mit 40 noch Radprofi sein

© Stefan Schurr – stock. adobe. com

Vielleicht fragst du dich, warum ich diese Radprofi-Zahlen heute gepostet habe?

Ganz einfach. Ich habe in meiner Zeit als Triathlon-Coach schon oft erlebt, dass sich Athleten gerne mit Pros vergleichen und teilweise deren Trainingsmethoden bzw. deren Trainingsprogramme unreflektiert übernehmen.

Frei nach dem Motto: Wenn das einen Pro schneller macht, kann mir das sicher nicht schaden.

Dabei vergisst man gerne mal…

…dass ein Pro nicht jede Woche 40 Stunden plus im Büro verbringt, sondern neben dem Training ausreichend Zeit für regenerative Maßnahmen hat.

…dass ein Pro der Sport schon seit vielen Jahren betreibt und sein Trainingspensum langsam gesteigert hat.

…dass ein Pro nicht erst mit Mitte 30 angefangen hat, vom Sofa auf Ironman zu gehen.

…dass ein Pro ein professionelles Betreuerteam (Trainer, Physios, Ärzte) um sich hat, die das Trainingspensum überwachen und dosieren.

…dass ein Pro aufgrund seiner jahrelangen Aufbauarbeit das Trainingspensum besser wegsteckt und sich auch schneller erholt.

…dass ein Pro mit dem Sport sein Geld verdient und sicher ab und an Grenzen überschreitet, die nicht gesundheitsförderlich sind.

Kann man mit 40 noch Radprofi sein

© Duncan Andison – stock. adobe. com

Hör auf, dich mit Radprofis messen zu wollen.

Klar brauchen wir erfolgreiche Profis in unserem Sport. Als Idole, als Vorbilder, um den Sport weiter attraktiv für Neueinsteiger zu halten.

Die Wahnsinns-Erfolge der deutschen Triathlon-Profis in den letzten Jahren haben dazu beigetragen, dass Triathlon nach wie vor boomt. Dass aus einem absoluten Nischensport ein Volkssport geworden ist.

Bei aller Bewunderung für den Spitzensport, vergisst man schnell mal, welche tolle Leistung wir Hobbyathleten Woche für Woche erbringen. Das gilt sowohl fürs Training als auch für Wettkämpfe.

Wenn ein Senior kurz vor Zielschluss über die Finishline läuft, sich eine mehrfache Mutter mit ihrem Citybike auf der Radstrecke quält oder ein übergewichtiger Manager zum ersten Volkstriarthlon antritt, dann sehen wir die wahren Helden unseres Sports!

Hobbysportler stehen jede Woche vor der Herausforderung, Job, Familie und den Sport unter einen Hut zu bringen, ohne dass das Sozialleben leidet. Sie knapsen sich Zeit fürs Training ab und „regenerieren“ anschließend im Büro oder bei der Hausarbeit.

Trotz der Euphorie, die viele von uns für den Sport empfinden, sollten wir nicht damit übertreiben, unseren Idolen unbedacht nachzueifern. Natürlich kann und darf ich mich von den Trainingsmethoden im Profisport inspirieren lassen, aber ich sollte diese Methoden maßvoll einsetzen und auf meine Bedürfnisse anpassen.

Kann man mit 40 noch Radprofi sein

Was ich damit meine:

In Fachmagazinen, auf Facebook, Instagram oder STRAVA kann man oft Einblicke in Trainingseinheiten der Profis gewinnen. Es gibt Langdistanzathleten, die laufen zur Vorbereitung 40 x 1.000m im Race Pace auf der Bahn oder im dunklen Keller einen Marathon auf dem Laufband.

Härter, schneller, mehr – scheint hier das Motto zu sein.

Wenn man sich als Hobbysportler an solchen Extremen orientiert, dann sind Überlastungen und Sportverletzungen vorprogrammiert. Die Trainingseinheiten müssen auf den Bedarf und die Möglichkeiten eines Hobbyathleten angepasst werden.

Für einen Age Grouper reicht es, wenn er einmal in der Woche 5-6 x 1.000m läuft. Der physiologische Nutzen von 40x 1.000m ist nämlich mehr als fraglich. Solche Einheiten dienen im Profisport eher als Mentaltraining. Wenn du den Irrsinn auf der Bahn abrocken kannst, dann kommt dir der Marathon im Triathlon wie eine Belohnung vor.

Das gleiche gilt auch fürs Radfahren. Was wir immer noch häufig wahrnehmen, ist die Durchschnittsgeschwindigkeit, mit der ein Pro über die Strecke donnert. Je nach Streckenprofil fahren die schnellsten Pros 90km mittlerweile unter 2 Stunden und auch auf 180km wurde bereits die 4-Stunden-Marke geknackt.

Was vielen Zuschauern dabei jedoch nicht bewusst ist, ist die dafür nötige Leistung. Die schnellsten Radfahrer im Triathlon leisten rund 4 Stunden lang über 300 Watt. Das ist für manchen Hobbysportler nicht mal als Spitzenleistung drin.

Für den Pro ist es dagegen der obere GA1-Bereich. Die Leistung muss eben in Relation zu einer FTP von über 400 Watt betrachtet werden.

Es bringt dir also wenig, wenn du bei jeder Radausfahrt auf den Tacho schaust und versuchst, schneller zu fahren. Die Durchschnittsleistung bei Männern auf der Langdistanz liegt beispielsweise eher zwischen 180 und 200 Watt. Damit kann man keinen 40er Schnitt fahren.

Wenn du das im Training trotzdem versuchst, setzt du die falschen Reize. Klar brauchst du auch im Radsport ein paar intensive Einheiten, um deine Fitness zu verbessern. Grundlage bleibt aber das aerobe Ausdauertraining, welches 80-90 Prozent deiner Zeit in Anspruch nehmen sollte.

So wirst du mit der Zeit spürbar an Fitness dazugewinnen und im Vergleich zum „normalen und gesunden“ Durchschnittsmenschen ebenfalls außergewöhnliche Leistungen erbringen. Nur halt auf einem anderen Niveau als Profis.

Https://ilovecycling. de/training/zahlen-eines-radprofis/

Kann man mit 40 noch Radprofi sein

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Berlin (dpa) – Auf eine Last-Minute-Ankunft will Roger Kluge diesmal verzichten. „Ich könnte am Sonntag von der Couch anreisen und es noch knapper und spannender machen. Ich belasse es aber bei dem einen Mal.

Die Geschichte aus dem letzten Jahr war etwas Besonderes“, sagt der Bahnrad-Weltmeister, der nur 15 Kilometer vom Velodrom in Berlin entfernt in Steglitz wohnt. Im vergangenen Jahr hatte er noch einen Wahnsinnstrip hingelegt, als der 34-Jährige direkt von der UAE-Tour in Dubai einflog, eine Stunde vor dem Madison-Rennen im polnischen Pruszkow eintraf und mit Theo Reinhardt trotzdem den WM-Titel erfolgreich verteidigte.

Anreise hin oder her, das Ziel bleibt das gleiche. Kluge und Reinhardt wollen am Sonntag den Titel holen, es wäre der dritte in Serie. „Es macht es historisch, das Triple zu schaffen, was uns extra anspornt. Aber der größte Ansporn ist die Heim-WM“, betont Kluge und fügt hinzu: „Das wird ein Push geben, wie man es vom Sechstagerennen kennt.“

Sechstagerennen, Weltcups, die Bahn-WM und dazu hauptberuflich Straßenrad-Profi beim belgischen Lotto-Soudal-Team, wo er den australischen Sprintstar Caleb Ewan regelmäßig in Position bringt. Wie etwa bei der Tour de France im vergangenen Jahr, als Ewan mit drei Siegen zum Sprintkönig aufstieg. Dass Kluge dabei meist im Schatten steht, sei halt sein Job. Der Abwehrspieler im Fußball schieße auch selten ein Tor. So sind Siege von Ewan auch ein Stück weit Kluges Erfolge. So verlängerte der Allrounder zusammen mit Ewan seinen Vertrag beim belgischen Team bis Ende 2022.

Bei Vertragsende wäre Kluge fast 37 Jahre alt. Genug hat der Familienvater aber noch lange nicht. „Bis 40 wäre ganz schön, wenn die Gesundheit mitspielt, die Freude da ist und keine Verletzung kommt“, erklärt Kluge. Dabei zählen Prellungen und Schürfwunden für ihn eher zu den Lappalien, verglichen mit der Herz-Operation im Oktober, als ein Loch zwischen den beiden Vorhöfen behoben wurde. „Das war weder überraschend noch schockierend. Es war langfristig geplant und komplikationsfrei abgelaufen.“

Im November saß er beim Sechstagerennen in Gent schon wieder im Sattel und im Januar ging er bei der Tour Down Under in Australien an den Start. Nimmermüde ist Kluge im Einsatz und erinnert dabei an Jens Voigt. Die Chancen, ähnlich wie der Altmeister mit 43 Jahren noch auf dem Rad zu sitzen, seien aber gering. „Jens hatte eine andere Helferrolle. Er war ein Edelhelfer, der auch gut die Berge fahren konnte und diesen Riesen-Motor hatte. Wenn ich mich in diese Richtung entwickeln würde, dann vielleicht. Aber wenn ich weiter Anfahrer bleibe, ist es eher unwahrscheinlich. Als Sprinter verliert man im Alter die Schnelligkeit“, erklärt Kluge.

Soweit ist es aber noch nicht. Auch auf der Bahn sollen seine vierten Olympischen Spiele im Sommer nicht die letzten sein. Sollte Paris 2024 nochmal ein Thema sein, werde er es versuchen. Am liebsten mit Reinhardt, seinem kongenialen Partner. „Roger und ich kennen uns sehr gut, sind privat miteinander befreundet. Was auf der Bahn passiert, ist für uns Routine. Es passt einfach“, beschreibt Reinhardt das Zusammenspiel, auch wenn die gemeinsamen Einheiten überschaubar sind. „Roger macht sein Ding, ich meines. Und wir fügen das dann zusammen, wenn wir uns sehen.“

Https://www. sueddeutsche. de/sport/radsport-kluge-auf-den-spuren-von-voigt-bis-40-waere-schoen-dpa. urn-newsml-dpa-com-20090101-200228-99-112667

Altersfrage bei der Tour de France : Auf anderem Wege

Abseits des optimalen Radprofialters trumpfen sowohl junge als auch alte Fahrer bei der diesjährigen Tour de France auf. Wie machen die das?

Kann man mit 40 noch Radprofi sein

Tour-de-France-Etappensieger Michael Woods vor seinem größten Triumph mit 36 Jahren Foto: Vincent Kalut/ap

Die Tour de France ist wieder einmal für Extreme gut. Junge Radprofis, also jene, die noch das weiße Trikot tragen dürfen, fahren gestandenen Männern davon. Der 24-jährige Tadej Pogacar gehört dazu. Aber auch der Österreicher Felix Gall, 25, trug bei dieser Tour schon das Bergtrikot.

Allerdings trumpfen die Oldies auch auf. Michael Woods, 36 Jahre alt, holte auf der Hitzeschlacht zum Puy de Dome den Etappensieg. Es war sein allererster, trotz zehn Profijahren. Erfahrung spielte natürlich eine Rolle.

Der Kanadier teilte sich seine Kräfte perfekt ein, ging erst auf den letzten Kilometern auf Alleinfahrt und holte nach und nach spektakulär die vor ihm ausgerissenen Fluchtkollegen ein.

Woods ist indes auch ein eher ungewöhnliches Beispiel. Denn er stieg außergewöhnlich spät in den Profiradsport ein, mit Mitte 20. „Ich war schon in dem Alter, indem manche Radprofis auszubrennen beginnen, als ich überhaupt mit dem Profiradsport begann“, erzählte Woods einmal. Der Kanadier war früher Leichtathlet, brachte also Trainingserfahrung und gewisse Grundausdauer mit.

Spätstarter im Radsport

Was die spezifische Belastung der Muskelgruppen angeht, die im Radrennsport gebraucht werden, war er aber ein Neuling. Nimmt man Tadej Pogacar zum Vergleich, dessen erste ernsthafte Leistungsmessungen als Radsportler im Alter von 14 Jahren erfolgten, dann haben der Etappensieger der 9. Etappe dieser Tour, eben Woods, und auch der Etappensieger der 6., Pogacar, beide ungefähr eine Dekade Radsporttraining hinter sich. Von den Geburtsurkunden liegen sie weit auseinander, gemessen am Radsportalter sind sie aber fast Zwillinge.

Das relativiert die Extreme. Allerdings wartet diese Tour mit Oldies auf, die fast drei Mal so lange Radsport betreiben wie Pogacar. Dries Devenyns etwa, verlässlicher Helfer von Sprinter Fabio Jakobsen bei Soudal Quick Step, ist schon 38 Jahre alt. 18 Jahre ist er allein als Profi unterwegs. Gut, er gewinnt nicht mehr, er hat überhaupt wenig gewonnen. Aber er ist, als fast 40-Jähriger, immer noch fit genug für eine Tour de France.

Als das beste Alter für Tour de France-Fahrer galt lange Zeit die Spanne zwischen 27 und 33 Jahren. Lange Trainingsphasen, Saison über Saison, bringen die Ausdauerfähigkeiten auf ein Maximum. Die optimale Balance zwischen Muskelfasern und Körpergewicht zu finden, ist auch eine Frage von Erfahrung. Und wer nicht nur an einem Tag super klettern, sondern am Ende der dritten Woche immer noch am schnellsten auf den Rampen oben sein will, für den sind Widerstands – und Erholungsfähigkeit von großer Bedeutung. Das braucht ebenfalls Zeit.

Man kann es teilweise trainieren, teilweise ist das aber auch genetisch vorgegeben. Deshalb können eine Tour de France auch nicht 176 Fahrer gewinnen, sondern nur fünf oder sechs pro Ausgabe. Und der Rest der etwa 170 Starter konzentriert sich auf Subdisziplinen wie Sprint oder Ausreißen oder ganz simpel auf Helferdienste.

Dass in den vergangenen Jahren auch in Rundfahrerkeisen eine Jugendwelle zu verzeichnen war, hat gewiss mit einer Professionalisierung des gesamten Systems zu tun. „Auch in den Nachwuchsrennställen wird bereits wissenschaftlich gearbeitet. Trainingsmethoden von uns sickern nach unten durch“, meint Matxin Fernandez, Sportdirektor bei Pogacars Rennstall UAE.

Jüngster europäischer Radsportler mit einem Profivertrag ist der 17-jährige Seppe van den Boer. Er ist beim belgischen Cross-Rennstall Baloise Trek Lions angestellt, der von der Gelände-Legende Sven Nys gemanagt wird. Die Jungen drücken also weiter.

Und die Alten treten nicht nur nicht ab, sondern werden durch Seiteneinsteiger wie Woods oder auch den Ex-Springer Primoz Roglic verstärkt. Etwas Normalität gibt es aber doch noch. Das schnellste Rennen auf WorldTour-Niveau in dieser Saison war mit 47,7 km/h die achte Etappe der Tour de France. Die gewann Ex-Weltmeister Mads Pedersen. Er ist 27, also genau im Normalalter für Höchstleistungen im Straßenradsport.

Https://taz. de/Altersfrage-bei-der-Tour-de-France/!5943807/

Radsport : Sogar Amateure könnten bei der Tour de France mithalten

Besser als Doping: Im Windschatten zu fahren spart Energie. Sogar Hobbyradler könnten so Etappen bei der Tour de France bewältigen, haben niederländische Forscher berechnet.

17.07.2018, 19:32 Uhr

Die Fußballweltmeisterschaft ist vorbei. Auch die Diskussionen, was Daten, Packing-Kennzahlen, Laktatmessungen und sonstige Fußballwissenschaft zum Erfolg beitragen können, geht in die Sommerpause. Ein anders Sportereignis ist aber noch im vollen Gange, die Tour de France. Auch sie ist nicht wissenschaftsimmun. Und, so zeigt jetzt eine Studie: Im Gegensatz zum Profifußball, in dem Hobbykicker ganz sicher nicht mithalten können, wären fitte Freizeitradler durchaus in der Lage, eine Etappe zu bestehen.

Bei über 40 Kilometern pro Stunde wird auch dieses Jahr die Durchschnittsgeschwindigkeit liegen. Am Berg holen sie über längere Zeit Leistungen von 400 bis 500 Watt aus sich heraus, im Schlusssprint kurzzeitig noch mehr. Hier können Alltagsradler nicht mithalten. Auf einer Flachetappe allerdings wäre dies durchaus möglich. Voraussetzung dafür ist ein bisschen regelmäßiges Training, aber vor allem ein guter Platz: Wer sich ständig inmitten einer Gruppe von wenigstens einigen Dutzend Rennfahrern hält, wird – nicht nur sprichwörtlich, sondern auch physikalisch – sehr gut „mitgezogen“.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie eines Forscherteams um Bert Blocken von der Universität Eindhoven, veröffentlicht im aktuellen „Journal of Wind Engineering and Industrial Aerodynamics“.

Jeder Radrennfahrer weiß aus Erfahrung, dass der Luftwiderstand, gegen den er ankämpfen muss, viel größer wird, wenn er, oder sie, sich an die Spitze des Fahrerfelds setzt. Wenn die Fahrer im Peloton beschließen, einen Ausreißer wieder einzuholen, wenden sie eine einfache Taktik an: Die Athleten an der Spitze des Feldes erhöhen die Geschwindigkeit, kämpfen eine kurze Zeit lang schnell gegen den hohen Fahrtwind an und lassen sich dann wieder in das Feld zurückfallen. Dort erholen sie sich, während sich nun andere an der Spitze anstrengen.

Radrennen im Computer

Gegen diese Taktik hat kaum ein Ausreißer eine Chance. Bei langen Rennen wie der Tour de France oder dem Giro d’Italia fahren die Mannschaftskapitäne und sonstigen Klassement-Fahrer nur selten ganz vorne. Sie rollen meistens kräftesparend im Peloton mit, oft so sehr von anderen Fahrern verdeckt, dass nur die Hubschrauberkamera das gelbe Trikot überhaupt einfangen kann.

Dass das zentrale Feld die rollende Ruhezone für jene ist, die an diesem Tag einfach nur ankommen, oder aber Reserven aufsparen wollen für die entscheidenden Rennsituationen, ist längst bekannt. Bis jetzt wusste aber niemand, wie groß – oder klein – der Luftwiderstand für einen Fahrer im Peloton tatsächlich ist im Vergleich zu einem Fahrer an der Spitze. Genauso unbekannt war, welches die aerodynamisch günstigsten Positionen im Fahrerfeld sind. Untersuchungen an kleineren Fahrergruppen ließen schon lange vermuten, dass der Luftwiderstand in einem großen Peloton im Vergleich zu einem Einzelfahrer um 50 bis 70 Prozent geringer ist. Profis berichten jedoch, dass sie mitten in einem Peloton oft kaum noch zu treten brauchten. Das würde dann für einen tatsächlich noch deutlich geringeren Luftwiderstand sprechen.

Kann man mit 40 noch Radprofi sein

Rudelradeln. Der Erste im Feld eines Radrennens spürt den Widerstand des Gegenwinds am stärksten (rot), während die Fahrer in den hinteren Reihen und in der Mitte teilweise nur noch gegen einen Bruchteil davon (fünf bis sieben Prozent) ankämpfen müssen. © Bert Blocken

Die Studie von Bert Blocken und seinem Team bestätigt das nun. Mit der sogenannten „Computational Fluid Dynamics“-Methode berechnete ein Supercomputer, wie die Luft um ein 54 Kilometer pro Stunde schnelles Peloton aus 121 Fahrern herumströmt. Die Luftströmung wurde dabei in drei Milliarden Einzelzellen zerlegt – laut Blocken ein Weltrekord für sportwissenschaftliche Anwendungen. Der Computer benötigte eine Rechenzeit von 54 Stunden und einen Arbeitsspeicher von 49 Terabyte, um den Luftwiderstand für einen einzigen Fahrer gemäß seiner Position zu berechnen.

Miniatur-Rennfahrer im Windkanal

Die Ergebnisse waren teils so unerwartet, dass Blocken ihnen nicht traute. Um sie zu überprüfen, ließ er ein Modell eines Pelotons aus 121 Fahrern im Maßstab eins zu vier bauen und machte daran Messungen im Windkanal. Die Tests kamen nahezu zum gleichen Ergebnis wie die Simulationen im Computer: Der Luftwiderstand innerhalb des Pelotons kann tatsächlich überraschend gering werden, je nachdem wo ein Fahrer sich einreiht. Im hinteren Teil eines eng beieinander fahrenden Feldes beträgt er nur noch fünf bis sieben Prozent dessen, was einem einzelnen Radler außerhalb des Pelotons entgegenweht. „Es ist, als ob ein Fahrer in den hinteren Reihen eines Pelotons, das mit einer Geschwindigkeit von 54 Kilometern pro Stunde dahinrast, nur mit zwölf bis 15 Kilometern radeln würde“, sagt Blocken. Wenn sich das Feld in einer Kurve oder bei einem Anstieg auseinanderzieht, ist es jedoch vorbei mit der aerodynamischen Bequemlichkeit. Ein Hobbyfahrer müsste dann wohl „abreißen lassen“.

Wenn man auch Aspekte jenseits der Physik einbezieht, sind die besten Positionen in einem Feld in der Mitte vorne etwa ab Fahrerreihe 5. Dort ist die Sturzgefahr am kleinsten, man hat die Spitze im Blick, kann auf Ausreißversuche reagieren und ist immer vorne dabei, falls das Peloton bei Tempoverschärfungen in Einzelgruppen zerfällt. Die Luftwiderstände sind schon ab Reihe 5 fast optimal. Radrennfahrer wussten all das offenbar auch ohne Supercomputer längst. Jedenfalls sind die mittleren Positionen in den Reihen 5 bis 10 fast immer die „Chefreihen“ der Tour de France und anderer großer Rundfahrten. In einem Peloton mit einer Geschwindigkeit von 54 Kilometern pro Stunde bummelt ein Fahrer in der Mitte der fünften Reihe mit dem Aufwand, den er sonst bei 20 km/h hätte. In Reihe 10 in der Mitte läge der Vergleichswert sogar bei nur 14 Kilometern pro Stunde – und das alles ganz ohne unerlaubte Mittel.

Wirklich gemütlich allerdings wäre solch eine Fahrt nicht. Das weiß jeder, der schon einmal mit 50km/h oder mehr auf dem Fahrrad unterwegs war. Wie es ist, mit dieser Geschwindigkeit in einem engen Pulk aus Knochen, Muskeln und zweirädriger Hitech unterwegs zu sein, wissen nur radelnde Leistungssportler. Wie es ist, wenn es da zu einem Crash kommt, wissen die meisten von ihnen auch.

Https://www. tagesspiegel. de/wissen/sogar-amateure-konnten-bei-der-tour-de-france-mithalten-3970681.html

Experten-Interview rund ums Sportlerherz – Herzprobleme : Das müssen Hobby-Rennradfahrer beachten

Herzprobleme sind im Profi-Radsport keine Seltenheit. Welche Risiken birgt der Radsport, und was sollte man als Hobbyfahrer beachten? Fragen an Herzspezialist Prof. Dr. Rüdiger Lange.

Ist die Zahl der Radprofis mit Herzproblemen nicht erschreckend groß?
Ich erschrecke da nicht. Die Belastungen der Profis sind extrem. Für ein gesundes Herz ist das machbar, aber die Sportler, die wegen Herzproblemen ihre Karriere beenden mussten, haben offensichtlich ein ganz anderes Problem. Man muss davon ausgehen, dass die genannten Fälle eine Vorschädigung haben – die Herzprobleme sind also genetisch bedingt. Erst bei Ausdauerathleten ab 40 Jahren kann man von durch Sport erworbenen Herzproblemen sprechen.

Angesichts der zahlreichen Herzprobleme bei Spitzensportlern fragen sich natürlich auch viele Hobbyfahrer, welchen Risiken das Herz beim Rennradfahren ­ausgesetzt ist?
Ein großer Risikofaktor, vor allem bei Spitzensportlern, ist die sogenannte Kardiomyopathie (Herzmuskelerkrankung, Anm. d. Red.). Das kann entweder eine Erweiterung des Herzens sein oder, noch viel gefährlicher, eine Verdickung des Herzmuskels. Das führt zu Herzrhythmusstörungen, die im plötzlichen Herztod enden können. Der Radsport ist in der sportmedizinischen Betrachtung ein Sonderfall, da er besonders große Muskeln beansprucht. Sie müssen mit enormen Mengen Sauerstoff versorgt werden. Bei Bergfahrten und Sprints steigt der Durchblutungsbedarf nochmals. ­ Das Herz muss dann mehr pumpen, ist also größerem Stress ausgesetzt. Für ein gesundes Herz kein Problem – aber viele Sportler bringen schon gewisse Vorschädigungen mit. Dann werden intensive Belastungen zum Problem.

Ist Ausdauersport nun gesund oder gefährlich für Herz und Kreislauf?
Ausdauersport ist ohne Zweifel die einzig sinnvolle Maßnahme zur Lebens­verlängerung. Ein durchtrainierter 60-Jähriger hat weniger Herzprobleme als ein untrainierter. Ernährungsum­stellung, Vitamine und alle anderen Fitness-Tipps sind relativ wirkungslos, der Ausdauersport allein hat grundsätzlich lebensverlängernde Wirkung. Alle ­Organe profitieren von Sportarten wie Langlauf, Jogging oder eben Radsport, nicht nur das Herz. Außerdem trägt ­Ausdauersport zu Muskelaufbau und Immunabwehr bei. Auspowern hat nicht zuletzt auch mental eine befreiende Wirkung. Die Belastungen, die professionelle Sportler erleben, haben allerdings nichts mit normalem Breitensport zu tun.

Https://www. tour-magazin. de/fitness/gesundheit/experten-interview-rund-ums-sportlerherz-herzprobleme-das-muessen-hobby-rennradfahrer-beachten/

Kann man mit 40 noch Radprofi sein

Kann man mit 40 noch Radprofi sein

Die Tour auf einem steinigen Weg

Thibault Camus / AP

Als Egan Bernal das Ziel auf dem Puy Mary erreichte, wirkte er resigniert. „Wenn ich mir meine Zahlen ansehe, gehören sie zu den besten Werten, die ich je erreicht habe“, sagte er laut „sporza“

. Und trotzdem wurde der Vorjahressieger der Tour de France abgehängt: Am Schlussanstieg der 13. Etappe rangen Primoz Roglic und Tadej Pogacar dem Kolumbianer 38 Sekunden ab.

Die Leistungen der beiden Slowenen scheinen außergewöhnlich. Entsprechend wurde Roglic bereits mit der Dopingfrage konfrontiert. „Ich bin sauber, Sie können mir vertrauen. Ich habe nichts zu verbergen“, sagte er.

Wer Führender der Tour de France war, wurde auch in den vergangenen Jahren oft skeptisch betrachtet. Das resultiert aus der dunklen Dopingvergangenheit des Sports. Umso interessanter ist die Frage, wie sich das Leistungsniveau bei der Tour seit den großen Skandalen um das Team Festina 1998 und den Dopingarzt Fuentes 2006 entwickelt hat. Ist die Durchschnittsgeschwindigkeit der Fahrer gesunken? Kommen sie die höchsten Berge langsamer hoch als die überführten Doper vor ihnen?

Auf dem Papier ist die Tour de France so sauber wie wahrscheinlich nie zuvor. Nur fünf Prozent des aktuellen Starterfelds wurden in der Vergangenheit des Dopings überführt, ein historisches Tief. Es könnte aber sein, dass es nicht dabei bleibt. Wenn Fahrer im Nachhinein positiv getestet werden, erhöht sich der Anteil. Das könnte zum Beispiel der Fall sein, wenn Doper ein Mittel einnehmen, das mit Tests aktuell noch nicht nachweisbar ist. Auch unter den Mitarbeitern sind immer noch ehemalige Doper im Radsport. So zum Beispiel Bjarne Riis, Manager von NTT, oder Alexander Winokurow, Manager von Astana.

Seit der Festina-Affäre 1998 geht die Zahl der gedopten Fahrer kontinuierlich zurück. Damals war bei der Tour de France das Dopingmittel EPO im Hotelzimmer des Teambetreuers von Festina gefunden worden. Von über der Hälfte der Tour-Teilnehmer des Jahres 1998 weiß man heute, dass sie mindestens einmal verbotene Hilfsmittel verwendet haben. 2015 galt das nur noch für elf Prozent.

Doch die Geschwindigkeit der Fahrer bleibt auch seit dem Fuentes-Skandal 2006 fast unverändert hoch. Der damalige, wegen Dopings disqualifizierte Toursieger, Floyd Landis, fuhr die Strecke im Schnitt mit 41 km/h – genauso schnell wie Egan Bernal die Strecke von 2019. Dazu ein Blick auf die Grafik:

Wie schnell die Fahrer unterwegs sind, wird maßgeblich vom Terrain beeinflusst. Seit 1990 sind Bergetappen immer beliebter geworden. Dieses Jahr müssen sich die Profis acht Mal auf so einer schweren Strecke beweisen.

Die Tour ist kürzer, dafür bergiger geworden. Jörg Jaksche, Doper und Kronzeuge im Fuentes-Skandal, veranlasste das konstante Tempo 2019 zu der Aussage: „Es wird fast so schnell gefahren wie zu den Doping-Hochzeiten. Die Athleten greifen immer noch dazu. Weil es gewollt ist und weil es erwartet wird.“

Doch von Doping zu sprechen, nur weil die Durchschnittsgeschwindigkeit konstant bleibt, wäre zu einfach. Denn diese wird nicht nur durch das Terrain, sondern durch viele weitere Faktoren beeinflusst: das Wetter, die Qualität der Straßen oder auch die Renntaktik der Teams.

Zudem hat sich die Technik verändert. Die Fahrer sind nicht mehr auf schweren Stahl-, sondern leichten Carbonrädern unterwegs. Die Räder wurden so leicht, dass der Radsportweltverband ein Mindestgewicht von 6,8 Kilogramm einführen musste.

Fest der Doper: Alpe d’Huez

Besser zu vergleichen als die Durchschnittsgeschwindigkeit ist die Leistung der Fahrer am selben Berg. Und der berühmteste Anstieg der Tour de France führt nach Alpe d’Huez. Bei insgesamt 30 Touren mussten die Radfahrer schon die Serpentinen hinaufkeuchen. Die ewige Bestenliste wird von Dopern dominiert.

Mit deren Spitzenzeiten können moderne Profis auf dem Weg nach Alpe d’Huez jedoch nicht mithalten. Die schnellste Fahrt der letzten fünf Jahre schaffte Nairo Quintana, als er 2015 auf den 22. Rang der ewigen Bestenliste fuhr.

Dieses Jahr ließ die Tour den berühmten Gipfel aus. Die Fahrer zeigten woanders aufsehenerregende Leistungen: Beim finalen Zeitfahren am Samstag war Pogacar, der neue Mann in Gelb, 1:21 Minuten schneller als der Zweitplatzierte Tom Dumoulin. Und auf der 8. Etappe erklomm Pogacar den Col de Peyresourde schneller als jeder andere Fahrer zuvor, 1:40 Minuten schneller als Lance Armstrong und Jan Ullrich 2001 . Den Rekord an diesem Anstieg hielt der überführte Doper Winokurow seit 2003.

Pogacar lud seine Etappe auf der Sport-Plattform Strava hoch. Dort lässt sich genau nachvollziehen, was er an diesem Berg geleistet hat: Während der 24 Minuten des Aufstiegs trat er eine Leistung von 430 Watt in die Pedale. Auf sein Gewicht umgerechnet ergibt das 6,5 Watt pro Kilogramm. Mit dieser Größe messen Radsportprofis ihre effektive Leistung. In ihren Rädern sind Leistungsmesser eingebaut, die direkt die Zahlen liefern. Auf dem etwas kürzeren Schlussanstieg des Bergzeitfahrens brachte er Schätzungen zufolge die gleiche Leistung – und errang damit das Gelbe Trikot.

Mit der Energie, die Pogacar dort an der Planche des Belles Filles in nur 16 Minuten abgab, kann man etwa eine Stunden lang einen Flachbildfernseher betreiben, um die Tour anzusehen.

Leistungen um die 6,5 Watt pro Kilogramm haben in der Vergangenheit auch überführte Doper gezeigt. Lance Armstrong fuhr mit ähnlicher Wucht beim Zeitfahren nach Alpe d’Huez hinauf und Alberto Contador hängte beim Giro d’Italia am Großglockner so die Konkurrenz ab. In der folgenden Grafik sind die Leistungen vor 2018 anhand von Steigung, Gewicht und Zeit geschätzt.

Ein Wert von 6,5 Watt pro Kilogramm an einem Anstieg ist nicht automatisch ein Beleg für Doping. Er wird, wie die Durchschnittsgeschwindigkeit, durch weitere Faktoren beeinflusst: die Dauer der Leistung, ob sich ein Fahrer zuvor schonen konnte, ob er den Anstieg in einer Gruppe erklimmen konnte. Oder auch die Lage des Bergs: Muss er am Ende einer 200 Kilometer langen Etappe erklommen werden, haben die Fahrer wahrscheinlich weniger Energie als bei einem Bergzeitfahren.

Letztendlich können die verglichenen Leistungswerte nicht beweisen, ob im Peloton gedopt wird. Sie können nur einen Hinweis darauf geben, ob die Fahrer heute ein ähnliches Leistungsniveau erreichen wie früher. Und daraus wiederum resultiert die Frage, wie diese Leistungen möglich sind.

Eine Antwort darauf ist, dass die Teams Grenzen austesten. Das Team Ineos, ehemals Sky, beispielsweise arbeitete mit medizinischen Ausnahmegenehmigungen. So durfte der vierfache Toursieger Christopher Froome ein Asthmamedikament benutzen, bei der Vuelta 2017 überschritt er gar den Grenzwert für das Mittel Salbutamol – ohne Konsequenzen.

Ein weiteres Beispiel ist die Verwendung von Ketone-Drinks als Nahrungsergänzungsmittel. Ketone werden eigentlich im Körper bei Anstrengungen gebildet, sie gelten vereinfacht gesagt als Reserveenergie. Verboten ist die Einnahme künstlicher Ketone nicht. Doch die Vereinigung für einen glaubwürdigen Radsport (MPCC) rät von der Verwendung künstlicher Ketone-Präparate ab, weil die möglichen gesundheitlichen Konsequenzen nicht bekannt sind. Manche Teams wie Jumbo-Visma – die Mannschaft von Primoz Roglic – benutzen Ketone dennoch.

Dopingexperte Fritz Sörgel formulierte es 2019 in der „Süddeutschen Zeitung“ drastisch: „Da wird alles genommen, was die Küche hergibt und die Chance hat, den Stoffwechsel Richtung Leistungssteigerung zu dirigieren.“ Sörgel glaubt auch, dass die Coronakrise, zu deren Beginn weniger Dopingtests stattfanden, von Fahrern und Teams zum Doping ausgenutzt wurde.

Maximilian Schachmann vom deutschen Team Bora-hansgrohe glaubt, dass der Sport sauberer geworden ist. „Ich kann nicht für das ganze Fahrerfeld meine Hand ins Feuer legen“, sagte der 26-Jährige vor der Tour. Er denke aber, dass Fahrer und Teams es „mittlerweile verstanden haben“.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung der „ewigen Bestenliste der Alpe d’Huez“ waren die Fahrer Joaquim Rodriguez und Andy Schleck fälschlicherweise als Doper gekennzeichnet. Richtig ist, dass beide nie des Dopings überführt wurden. Wir haben den Fehler korrigiert.

Https://www. spiegel. de/sport/radsport-kann-die-tour-de-france-sauber-sein-datenanalyse-a-80dff576-dd5d-40d9-8666-df95a2f03e61

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